Berlin : Kampf der Konkurrenz

Das Erlebnisbad Lübbenau wird größer

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Wenn richtige Winter künftig Mangelware sind, laden wir eben Väterchen Forst aus Sibirien ein. Das sagte sich die Kristall-Bäder-Gruppe und organisierte russische Tage in ihren Wellness-Anlagen. An diesem Wochenende gastiert ein Ensemble aus Künstlern, Köchen, Musikanten und Spezialisten für besondere Sauna-Rituale in Lübbenau.

Das große Erlebnisbad mit Rutschen, Wellenbad, Strömungskanal, Solebecken und zehn verschiedenen Saunen kann diesen zusätzlichen Event gut brauchen. Denn seit einiger Zeit gehen die Besucherzahlen zurück. Das liegt weniger an Angebot und Service, sondern vielmehr an der Konkurrenz in der Umgebung.

Die liegt mit der Spreewaldtherme in Burg, die im Unterschied zu Lübbenau echtes Thermalwasser aus der Tiefe verwendet, fast direkt vor der Haustür. „Tropical Islands“ in der einstigen Luftschiffhalle und die neue FKK-Therme in Ludwigsfelde, die ebenfalls zur Kristall-Gruppe gehört, ziehen vor allem einstige Stammgäste aus Berlin und Potsdam an. Auch im nahen Cottbus entsteht ein Bäderzentrum.

In Lübbenau selbst erfolgt die Vermarktung der attraktiven Touristenziele noch etwas halbherzig. Da dominiert weiterhin das gemütliche Kahnfahren durch den Spreewald. Das vor 15 Jahren zum Hotel umgebaute Schloss taucht im Stadtbild genauso wenig auf wie das Erlebnisbad. Von sogenannten Paketangeboten aus Therme und Naturerlebnissen, wie sie dem Hotelgast im nahen Burg angeboten werden, erfährt der Tourist in Lübbenau noch viel zu wenig.

Die Stadt wird nun selbst das Bad betreiben und vermarkten, kündigte Bürgermeister Helmut Wenzel mittlerweile an. Er will der Kristall-Gruppe den Stuhl vor die Tür setzen, weil sie bei den Pachtzahlungen in Rückstand geraten sei. Die wiederum beklagt die „fehlende finanzielle Unterstützung“ bei der weiteren Verschönerung des Bades. Dafür scheint nun plötzlich Geld vorhanden zu sein. Drei Millionen Euro sollen aus der Landeskasse für den Ausbau des Ruhebereiches bereitstehen. Ende 2008, heißt es, seien die Arbeiten abgeschlossen.

Tatsächlich geht es im Erholungsbereich für die Saunagänger derzeit etwas beengt zu. Bei der Planung vor sieben Jahren war wohl nicht berücksichtigt worden, dass Schwitzräume mit täglich 17 verschiedenen Aufgüssen solch großen Zuspruch haben würden.

Der Erholungsgast merkt von den Auseinandersetzungen hinter den Kulissen zum Glück nichts. Was die Geschäftsführung ärgert, kann er sich zu Nutzen machen: Besonders an Wochentagen herrscht im Lübbenauer Bad eine unerwartete Ruhe – trotz des Wellenbades und der Rutschen.Ste.

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