Kampf gegen Lehrermangel : Lernassistenten könnten Pädagogen entlasten

Die Linksfraktion des Abgeordnetenhauses will den Mangel an Lehrern in Berlin bekämpfen – und hat dafür einige Vorschläge erarbeitet.

Lernassistenten, die beim Korrigieren von Klassenarbeiten helfen, könnten Entlastung schaffen.
Lernassistenten, die beim Korrigieren von Klassenarbeiten helfen, könnten Entlastung schaffen.Foto: Frank Molter/dpa

Das Abgeordnetenhaus ist längst in der Sommerpause, aber in Raum 109 wird gearbeitet: Regina Kittler, Bildungspolitikerin der Linken-Fraktion, spricht von einer „Notlage“ und meint den Lehrermangel. Ein rundes Dutzend Vorschläge hat sie erarbeitet, um zu demonstrieren, dass Berlin nicht zwangsläufig verbeamten müsse, um die „Notlage“ zu beheben.

Entlasten

Rund die Hälfte der Lehrer arbeitet auf Teilzeit – viele von ihnen, weil sie sich überlastet fühlen. Kittler will daher für Entlastung sorgen und auf diese Weise erreichen, dass möglichst viele Lehrer ihr Stundenkontingent wieder hochsetzen: „Wenn jeder zwei Stunden mehr unterrichten würde, ergäbe das ein Plus von rund 700 Pädagogen“, rechnet die Linken-Abgeordnete vor.

Eine wirksame Entlastung sähe sie darin, dass Lernassistenten etwa beim Korrigieren von Klassenarbeiten helfen. Lernassistenten? Genau: Kittler hat die Sommerpause für eine Parlamentsrecherche genutzt und förderte eine Mitteilung von 2006 zutage. Darin erläuterte der frühere Bildungssenator Klaus Böger (SPD) im Auftrag des Abgeordnetenhauses, wie Berlin „den Weg frei für den Lernassistenten“ machen könnte. Allerdings wurde kurz darauf gewählt, aus der SPD/CDU-Koalition wurde Rot-Rot, und die Sache wurde vergessen. Nun also: Alles auf Anfang.

Kittler verteilt in Raum 109 also die Mitteilung Bögers, und dort kann man lesen, was die Aufgaben der Lernassistenten sein könnten: „Fachbezogen und fachübergreifend fördern und fordern“ sowie „pädagogisch-organisatorisch unterstützen“. Und es steht dort auch, welche Qualifikation der potenzielle Lernassistent mitbringen soll: einen Bachelorabschluss in einem Lehramtsstudium.

[In unseren Leute-Newslettern aus den zwölf Berliner Bezirken befassen wir uns regelmäßig unter anderem mit Schulthemen. Die Newsletter können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Das trifft sich gut, denn von solchen Absolventen gibt es jede Menge: Kittler berichtet, dass rund die Hälfte der Studenten, die ein Lehramtsstudium aufnehmen, nie im Masterstudium ankommt. Unter ihnen könnte nach potenziellen Lernassistenten gefahndet werden. Daneben sollen aber noch weitere Professionen die Lehrer entlasten – etwa Werkstattmeister und Laboranten, die Berlin in den Sparjahren abgeschafft hatte.

Hürden abbauen

Als Beispiel für überflüssige Hürden bei der Lehrerversorgung nennt Kittler die zu späte Aushändigung von Masterzeugnissen, die jährlich „100 bis 200“ Lehrer davon abhalte, zum Schuljahresbeginn den Dienst anzutreten. Zudem würden Lehrer durch die dezentralen Castings verloren gehen: Das Verfahren müsse zentralisiert werden, fordert Kittler. Weiterhin müsse es endlich ein Onlineportal für Bewerber geben und eine erleichterte Anerkennung von Auslandsabschlüssen.

Besser bezahlen

„In der Koalition sind wir uns einig, dass Referendare besser bezahlt werden müssen“, stellt Kittler in Aussicht. Es sei auch ein Versäumnis, dass sie nicht von der Brennpunktzulage profitierten. Und es müsse mehr Stipendien geben – nicht nur für Studenten, die aus einem anderen Studium in einen Lehramtsmaster wechseln. Darüber hinaus findet die Linke, dass Berlin den Angestellten noch mehr zahlen müsse, um die „Gerechtigkeitslücke“ zu den Beamten zu schließen.

Der neue Morgenlage-Newsletter: Jetzt gratis anmelden!