Karnevalsumzug in Berlin : „Wir reden hier nicht über Kamelle“

Der Karnevalsumzug am Kurfürstendamm fällt dieses Jahr aus, weil der Hauptsponsor abgesprungen ist. Karnevals-Chef Heimann fordert mehr Einsatz von Berlin – und erwägt eine Klage.

Caspar Schwetering
Teures Vergnügen.
Teures Vergnügen.Foto: dpa

Ein Karnevalspräsident ohne Umzug, das ist wie ein König ohne Land. Und doch geht es Klaus-Peter Heimann vom Festkomitee des Berliner Karnevals in diesem Jahr so. Der Karnevalsumzug am Kurfürstendamm fällt 2018 aus. Der bisherige Hauptsponsor, die Kostümfirma Deiters, will die Kosten für die Sicherheit nicht mehr tragen. Heimann hofft nun, dass ähnlich wie beim Karneval der Kulturen zukünftig der Senat einspringt.

Herr Heimann, sie haben am Wochenende die Gleichstellung Ihres Karnevalsumzugs mit dem Karneval der Kulturen gefordert. Aber lässt sich eine Veranstaltung für ein paar Exil-Rheinländer wirklich mit einem Volksfest für 1,5 Millionen Menschen vergleichen?

Naja, 2007 – bei zwölf Grad und Sonnenschein – sind zu unserem Umzug 1,2 Millionen Menschen gekommen. Aber auch bei schlechtem Wetter hatten wir in den vergangenen Jahren immer um die 300 000 Besucher. Darum geht es aber auch gar nicht. Der Senat muss einfach alle gleich behandeln. Es kann nicht sein, dass wir als eine störende Veranstaltung in die Ecke gestellt werden und mit Lärmschutzauflagen traktiert werden, während der Karneval der Kulturen massiv gefördert wird. Der Karneval der Kulturen hat letztes Jahr 500 000 Euro vom Senat bekommen. Für diese Summe organisiere ich Ihnen zehn Jahre einen Karnevalsumzug.

Der Karneval der Kulturen gilt auch als politische Demonstration. Sie organisieren ein Straßenfest. Soll das Land Berlin sich wirklich an den Kosten für Kamelle beteiligen?

Wir reden doch hier nicht über Wurfmaterial. Die Kamelle bezahlt jeder Karnevalsverein natürlich selbst. Aber die Kosten für die Sicherheit und alle Versicherungen – das sind 120 000 Euro. Und seit dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz müssen wir auch noch Terrorabwehrmaßnahmen bezahlen. Da kommen noch mal 50 000 Euro obendrauf. Da hat unser Sponsor dann gesagt, das geht er nicht mehr mit. Der Karneval der Kulturen zahlt diese Extrakosten dagegen aus der Portokasse. Also noch mal: Wenn die 500 000 Euro bekommen, dann will ich die auch.

Warum erklären Sie sich nicht einfach auch zu einer politischen Demonstration?

Das würde ich sofort machen: Karnevalisten für den Frieden. Aber damit komme ich beim Senat nicht durch. Berlin muss einfach unser Brauchtum mehr schätzen. Wir feiern das ganze Jahr Karneval, organisieren Gardetänze, Männerballett, Mariechentänze und holen damit zur Not auch Jugendliche von der Straße. Aber diese ehrenamtliche Arbeit wird von der Stadt nicht honoriert. Vom Karneval der Kulturen höre ich dagegen nur einmal im Jahr etwas. Oder wenn sie wieder einmal Finanzprobleme haben.

Wie wollen Sie den Senat dazu bewegen, auf Ihre Forderungen einzugehen?

Wir sprechen gerade mit der Rechtsabteilung des BDK – des Bundes Deutscher Karneval. Die prüfen für uns, ob eine Klage auf Gleichstellung Aussicht auf Erfolg hätte.

Klaus-Peter Heimann (48) ist Präsident des Festkomitees Berliner Karneval e.V.

Das Interview führte Caspar Schwietering.

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