Kartenzahlung in der Coronavirus-Pandemie : „Tschüss, lieber Geldautomat!“

Wegen der Coronavirus-Pandemie ist das bargeldlose Bezahlen an der Kasse jetzt Trumpf. Unser Autor verabschiedet sich vom Geldautomaten. Eine Glosse.

Richtig oder nicht – die Leute wollen kein Bargeld mehr anfassen. 
Richtig oder nicht – die Leute wollen kein Bargeld mehr anfassen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Lieber Geldautomat, wir müssen reden. Es war eine schöne Zeit mit uns, sie hat Jahrzehnte gedauert, und das erste Mal war wie ein Rausch. Bargeld! Einfach nur eine Karte nehmen, vier Ziffern drücken, Summe angeben, fertig.

Keine Durchdrückformulare für den Kassierer mehr, kein peinliches Getue, nur sanfte Worte auf dem Display, wenn der Dispo mal zu sehr strapaziert war.

Du warst die Diskretion in Person, die Erlösung von Reiseschecks und riskantem Bargeld im Urlaub – welch göttlicher Moment, wenn du sogar in der Bronx oder auf Mauritius spontan geliefert hast!

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Das war damals. Weshalb nun die Scheidung? Erst bist du unter die Raubritter gefallen, hast dir Gebühren abgeklemmt, und es wurde eine Wissenschaft draus, denjenigen deiner Brüder zu finden, der gratis funktioniert. Dann gab es die fiesen Tricks mit versteckten Kameras, oder man blickte sich immer ängstlich um, ob da nicht einer von hinten …

Ja, nun Corona. Richtig oder nicht – die Leute wollen kein Bargeld mehr anfassen. Die EC-Karte, die längst nicht mehr so heißt, bleibt immer bei uns, und es reicht, sie beim Einkauf kurz aufs Lesegerät zu legen, da kommt kein Virus rüber.

Übrigens funktioniert das so gut, dass es auch bleibt, wenn das Virus weg ist. Du bist alt, hast allerhand Vorerkrankungen, da wollen wir mal nicht zu traurig sein. Tschüss, lieber Geldautomat!

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