Katalanen in Berlin : Mahnwache für festgenommenen Puigdemont

Berliner Katalanen und Spanier verfolgen das Schicksal des ehemaligen Chef der katalanischen Regionalregierung. Einige fordern Asyl für Puigdemont in Deutschland.

Max Polonyi
Zeichen. Diese Botschaft pro Puigdemont prangte am Kanzleramt.
Zeichen. Diese Botschaft pro Puigdemont prangte am Kanzleramt.Foto: P. Zinken/dpa

Die Botschaft leuchtete hell und deutlich auf der Fassade des Kanzleramts: Den Schriftzug „Asylum4Puigdemont“ – Asyl für Puigdemont – hatten Aktivisten in der Nacht zu Montag ans Gebäude gestrahlt. Stunden zuvor hatte es am Brandenburger Tor eine spontane Mahnwache für den ehemaligen Chef der katalanischen Regionalregierung gegeben. Ob Puigdemont an Spanien ausgeliefert wird, wo ihm ein Prozess wegen Rebellion, Aufstand gegen die Staatsgewalt und Veruntreuung von Staatsgeldern erwartet, ist noch unklar. Klar ist: Berlin diskutiert über den Mann, der seit Oktober 2017, seit seiner Amtsenthebung nach dem Unabhängigkeitsreferendum, auf der Flucht ist. Und der seit Sonntagvormittag in einer Justizvollzugsanstalt bei Neumünster einsitzt.

„Die Katalanen in Berlin sind höchst besorgt, dass er ausgeliefert werden könnte, weil ihn in Spanien kein fairer Prozess erwartet“, sagt Marie Kapretz. Bis zum Herbst leitete sie die katalanische Auslandsvertretung in Berlin. Am 28. Oktober schloss die spanische Regierung Kapretz’ Stelle in der Friedrichstraße – genau wie alle anderen elf Auslandsvertretungen der Katalanen in Europa und den USA. Aber Kapretz hat auch Hoffnung. Der Fall werde in Deutschland nun zum Politikum, „endlich“, sagt sie. „Die Bundesregierung kann jetzt nicht mehr so tun, als sei das eine rein spanische Angelegenheit.“ Die Sache müsse geklärt werden, Puigdemont könne nicht für immer fliehen. „Jetzt gibt es die Chance für eine Vermittlung. Ich vertraue den deutschen Gerichten in dieser Hinsicht“, sagt Kapretz.

Angst um Puigdemont

Sorgen macht sich auch Sergi Salvia. Der 33-jährige Katalane arbeitet seit drei Jahren in einem Berliner Ingenieurbüro und kommt ursprünglich aus einem Dorf nahe Barcelona. „Ich habe Angst um Puigdemont“, sagt er. „Die Spanier sperren alle Verantwortlichen des Unabhängigkeitsreferendums weg, als seien sie Revolutionäre. Das ist nicht richtig.“ Dass Puigdemont gerade in Deutschland verhaftet wurde, findet Salvia verdächtig. „Das ist Taktik. Madrid wusste die ganze Zeit über genau, wo Puigdemont sich aufhielt. Und kaum ist er in Deutschland, wird er festgenommen.“ Salvia fordert, dass Puigdemont Asyl in Deutschland gewährt wird.

Uriel Collado ist anderer Meinung. Der 27-Jährige hat einige Jahre in Madrid gewohnt und arbeitet inzwischen im spanischen Restaurant „Tapas y mas“ in Mitte. „Die Auslieferung wäre ein Signal von Deutschland, dass es zu Spanien steht und sich an geltendes Recht hält“, findet Collado. Er wünscht sich einen fairen Prozess für Puigdemont, vor allem aber, dass Spanien „wieder als ein Volk agiert“. „Der Streit muss endlich aufhören“, sagt Collado.

Nicht über die Zukunft Kataloniens, zumindest aber über die nähere Zukunft Puigdemonts müssen jetzt die Gerichte in Schleswig-Holstein entscheiden. Voraussichtlich aber nicht mehr in dieser Woche, wie eine Sprecherin mitteilte. 60 Tage kann der Katalane theoretisch in Haft bleiben.

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