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Kehrtwende der Bildungsbehörde : Kritischer Schulleiter darf weiterarbeiten

Ein Skandal wird einkassiert: Nach parteiübergreifenden Protesten revidiert Bildungssenatorin Scheeres die Absage an Michael Rudolph.

41 Jahre Dienst. Michael Rudolph unterrichtete 30 Jahre lang an Hauptschulen, bevor er an die Friedrich-Bergius-Schule kam.
41 Jahre Dienst. Michael Rudolph unterrichtete 30 Jahre lang an Hauptschulen, bevor er an die Friedrich-Bergius-Schule kam.Foto: Thilo Rückeis

Selten hatte eine Personalentscheidung der Bildungsverwaltung für vergleichbaren Aufruhr gesorgt, nun wurde sie revidiert: Der ebenso bekannte wie erfolgreiche Leiter der Friedenauer Friedrich-Bergius-Schule, Michael Rudolph, darf nach Erreichen des Pensionsalters doch noch ein Jahr weiterarbeiten. Das hatte er sich gewünscht.

"Ja, wir haben Herrn Rudolph verlängert, er kann damit weiter Schulleiter der Bergius-Schule sein", bestätigte der Sprecher der Bildungsverwaltung, Thorsten Metter, eine entsprechende Aussage Rudolphs am Mittwochmorgen. Rudolph ist mittlerweile 65 Jahre alt, bis er 66 ist, darf er also weiterarbeiten. Er ist inzwischen seit 41 Jahren im Schuldienst.

Nachdem in die öffentliche Debatte "wieder Ruhe eingekehrt war und beide Seiten Luft geholt haben", sei noch einmal die Möglichkeiten für eine Verlängerung geprüft worden, erläuterte Metter die jetzige Entscheidungsfindung. Rudolph habe "bestimmte Punkte klargestellt" und verdeutlicht, dass er die Basis für eine weitere Zusammenarbeit sehe. "Wir sehen diese gute Basis auch", so der Sprecher weiter.

Letztendlich sei es dann für Bildungssenatorin Sandra Scheeres und und die neue Staatsekretärin Beate Stoffers (beide SPD) "um die sachliche Entscheidung gegangen", was für die Schule und die Schülerinnen und Schüler jetzt die beste Lösung sei, "denn das ist ja für uns alle das Entscheidende".

Der Staatssekretär war empört

Wie mehrfach berichtet, hatte Rudolph die Verlängerung seiner Arbeit über die Pensionsgrenze hinaus beantragt, nachdem Scheeres für diese Möglichkeit wegen des Lehrermangels geworben hatte. Der Antrag war zunächst unterstützt worden. Rudolph erhielt in diesem Zusammenhang sogar eine Einladung der Schulaufsicht.

Dann aber kam es zur Kehrtwende, nachdem der erfahrene Schulleiter harsche Kritik an der Schulinspektion geübt hatte: Die Inspekteure hatten seine Schule nämlich trotz guter Leistungen und großer Nachfrage durchfallen lassen, weil Rudolph sich bestimmten Anforderungen widersetzt, etwa im Hinblick auf die Partizipation und Prozessentwicklung an seiner Schule. Nicht nur Rudolph war allerdings der Ansicht, dass die Vorzüge der Bergius-Schule die festgestellten Kritikpunkte weit übersteigen: Er bekam – abgesehen von der Linken – aus allen Parteien Zuspruch.

Als in diesem Zusammenhang mehrere Parlamentarier und Bezirksverordnete den Umgang mit dem Bergius-Leiter kritisierten, gab es allerdings zunächst kein Einlenken der Bildungsverwaltung. Im Gegenteil: Der damalige Staatssekretär Mark Rackles (SPD), der im April seinen Posten räumte, ließ die Kritiker wissen, dass ihre Äußerungen „das demokratische System in Gänze“ beschädigten und Teil der „steigenden Politikverdrossenheit“ seien. Rackles' Weggang hat die jetzige Kehrtwende erleichtert.

Streitpunkt Schulinspektion

Kürzlich hatte Rudolph sich nochmals schriftlich an die Senatorin gewandt und sein weiterhin vorhandenes Interesse für eine Verlängerung deutlich gemacht. In diesem Zusammenhang soll er auch seine Pauschalkritik an der Schulinspektion teilweise zurückgenommen haben. Rudolph sei wichtig gewesen, dass die Schülerleistungsdaten seiner Schule durch die Schulinspektion aus seiner Sicht zu wenig gewichtet wurden, erläuterte Metter: "Aus unserer Sicht waren diese Aussagen insgesamt gut, klarstellend und wurden positiv aufgenommen". Rudolph habe auch "verdeutlicht", dass er weitere Schritte bei der Schülerpartizipation - etwa durch die Einrichtung von Klassenräten - gehen werde.

"Ein Sieg der praktischen Vernunft"

Die Wiedereinsetzung des Schulleiters sei "ein Sieg des demokratischen Engagements und der praktischen Vernunft über selbstherrliche Verwaltung", lautete der Kommentar von Martina Zander-Rade, schulpolitische Sprecherin der grünen Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg. Sie erinnerte daran, dass Rudolph in seiner Amtszeit "überaus erfolgreich agiert, die Schulabbrecherquote deutlich reduziert und mehr Schüler zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht habe als vergleichbare Berliner Schulen".

Wie berichtet, hatte die Bergius-Schule in diesem Jahr zum zehnten Mal in Folge mehr Anmeldungen für die siebten Klassen als Plätze. Bei Schulen ohne gymnasiale Oberstufe wie der Bergius-Schule ist das die absolute Ausnahme.

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