„Kein Beitrag zum Artenschutz“ : WWF spricht sich gegen Wildtiere im Zirkus aus

Innensenator Geisel wollte das Gastspiel des "Weihnachtscircus" verbieten. Nun spielt er doch. Ein Interview mit dem Artenschutzexperten Arnulf Köhncke

Wildtiere im Zirkus sind umstritten.
Wildtiere im Zirkus sind umstritten.Foto: picture alliance / dpa

Hin und her um den „Weihnachtscircus Voyage“ am Olympiastadion. Innensenator Andreas Geisel (SPD) wollte das diesjährige Gastspiel aus Gründen des Tierschutzes verbieten, weil das Unternehmen auch Flusspferde, Giraffen, Elefanten und Löwen zeigt. Aber der Zirkus setzte sich mit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht durch. Nun kann Voyage doch spielen. Christoph Stollowsky sprach mit dem Artenschutzexperten des World Wildlife Fund (WWF) Arnulf Köhncke über Wildtiere im Zirkus.

Herr Köhncke, Flusspferde, Giraffen, Elefanten und Löwen kommen im Circus Voyage in die Manege. Ärgert sie das?

Der WWF ist gegen die Haltung von Wildtieren in Zirkussen, weil diese rein wirtschaftliche Interessen verfolgen und im Kontrast zu gut geführten Zoos keinen Beitrag zum Artenschutz leisten. Für genaue Aussagen zur Tierhaltung in diesem Fall müsste ich die jeweiligen Haltungsbedingungen besser kennen. Es ist aber schwer vorstellbar, dass reisende Zirkusse die Mindestanforderungen erfüllen können, die vom Bundeslandwirtschaftsministerium 2014 im sogenannten Säugetiergutachten zur Haltung von Wildtieren explizit genannt werden. An diesem Gutachten, es reicht vom Affen bis zum Zebra, haben etliche Experten mitgewirkt.

Was wird dort beispielsweise für Flusspferde gefordert?

Außengehege und Wasserbecken müssen für zwei Tiere mindestens 200 Quadratmeter groß sein, im Innengehege benötigen die Tiere mindestens 50 Quadratmeter plus Becken. Allein für das Becken gilt ein Mindestmaß von 50 Quadratmetern. Und die Tiere müssen sich täglich mindestens zwölf Stunden lang im Wasser aufhalten können.

Werden diese strengen Auflagen denn in den meisten Zoos und Tierparks beachtet?

Ich kann nur so viel sagen. Wir befürworten die wichtigen Aufgaben, die von gut geführten zoologischen Gärten und Tiergärten wahrgenommen werden. Hier begegnen die Menschen bedrohten Arten unmittelbar, das ist die beste Chance, um Interesse für den Artenschutz zu wecken und die Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren. Außerdem ermöglichen gut geführte Tiergärten zoologische Forschungen und ihre Zuchterfolge können dem Artenschutz dienen.

Gilt das nicht teils auch für eine verantwortungsvolle Wildtierhaltung im Zirkus?

Nein. Die Tierhaltung im Zirkus dient in erster Linie kommerziellen Interessen. Der Dreiklang von Forschung, Artenschutz und Bildung ist hier viel weniger gegeben. Das erklärt unsere Ablehnung von Wildtieren in Zirkussen. Deshalb arbeiten wir nur mit verantwortungsvollen, wissenschaftlich geführten Zoos zusammen.

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