• Kinder zum Essen und Schlafen gezwungen?: Kita-Erzieherin weist Misshandlungsvorwurf vor Gericht zurück

Kinder zum Essen und Schlafen gezwungen? : Kita-Erzieherin weist Misshandlungsvorwurf vor Gericht zurück

Eine Erzieherin steht vor Gericht. Sie soll Kinder zum Essen und Schlafen gezwungen haben. Zwei ehemalige Praktikantinnen hatten die Kita-Leitung informiert.

Ulrike A. muss sich vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten.
Ulrike A. muss sich vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten.Foto: Sonja Wurtscheid/dpa

Wenn eines der Kinder ihrer Gruppe nach dem Mittagessen nicht schlafen wollte, soll eine Erzieherin zu drastischen Methoden gegriffen haben. „Sie fixierte Kinder beim Schlafen mittels Decke und Bettlaken“, so die Anklage. Sie habe Schützlinge auch zum Essen gezwungen. Um sieben mutmaßliche Taten in der Zeit von Februar bis November 2016 geht es seit Donnerstag vor dem Amtsgericht Tiergarten.

Es vergingen mehrere Monate, bis die Vorwürfe gegen die Erzieherin einer Tagesstätte in Prenzlauer Berg bekannt und schließlich im Frühjahr 2017 zur Anzeige gebracht wurden. Auf Misshandlung von Schutzbefohlenen, Freiheitsberaubung und Nötigung lautet die Anklage. Die Betroffenen seien zwischen wenigen Monaten und zwei Jahren alt gewesen.

„Nie habe ich ein Kind mit voller Körperkraft auf die Schlafmatte gedrückt“

Ulrike A. wies die Vorwürfe nun zurück. „Nie habe ich ein Kind mit voller Körperkraft auf die Schlafmatte gedrückt oder fixiert“, erklärte sie. „Man kann ein Kind nicht zum Schlafen zwingen.“ 

Die Staatsanwaltschaft stützt sich unter anderem auf Angaben einer Frau, die damals für einige Wochen als Praktikantin in der Kita gearbeitet hatte. „Sie hat Kinder beim Schlafen fixiert, indem sie die Kleinen in Bauchlage hinlegte, die Decke bis zu den Augen zog und die Enden links und rechts unter die Matratze drückte“, begann die 32-jährige Zeugin im Prozess. 

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„Und sie hat ein Kind mit der Matratze gepackt, in einen anderen Raum getragen, aus Kniehöhe auf den Boden fallen lassen“, schilderte die Zeugin. Sie habe es drei Mal erlebt. „Jetzt ist Ruhe, jetzt wird geschlafen“, habe die 49-Jährige dabei gerufen. In einem anderen Fall habe sie einem Mädchen ein Stück Mandarine in den Mund gestopft.

Die Kinder hätten geschmierte Brote ohne Teller am Fußboden essen müssen

Mit den Worten: „Das wird jetzt gegessen, du hast es angefasst.“ Als sie die Erzieherin ansprach, habe sie erklärt: „Ich zwinge Kinder nicht, ich bringe ihnen nur Esskultur bei.“ Einmal hätten ihre Schützlinge geschmierte Brote ohne Teller am Fußboden essen müssen. „Obwohl der dreckig war.“

Die Angeklagte hörte die Anschuldigungen kopfschüttelnd. „Das mit dem Boden war ein Picknick“, sagte Ulrike A. Der Bereich sei abgegrenzt und besenrein gewesen. Der Richter hielt der Angeklagten die Aussage einer Zeugin vor. „Sie sollen damals erklärt haben, dass Staub und Sand das Immunsystem stärken würden.“ Nein, sagte A., das stimme alles nicht.

Und in der Einrichtung, in der sie jetzt tätig sei, würden sie auch hin und wieder ein Picknick mit den Kindern machen. „Das ist ein Highlight.“

Nur einmal sei ihr ein Fehler unterlaufen

Nur einmal sei ihr ein Fehler unterlaufen, gab Ulrike A. zu. „Die Sache mit dem Obst muss ich zugeben, es tut mir leid.“ Ein Stückchen sei einem Mädchen aus dem Mund auf den Teller gefallen. „Ich steckte es zurück und habe mit dem Finger ein bisschen nachgeschoben.“ Sie habe sehen wollen, ob ein Kern darin war. Doch sei sie dabei nicht mit ihrem Daumen und ihrem Zeigefinger im Mund des Kindes gewesen, wie es ihr die Anklage vorwirft.

Es waren zwei ehemalige Praktikantinnen, die zur Kita-Leitung gingen und Anschuldigungen erhoben. Viele Fragen sind offen. Für den Prozess sind drei weitere Tage bis 23. April geplant.

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