Kindermord aus dem Jahr 1991 : Mutmaßlicher Sexualmörder in Berlin festgenommen

Vor 26 Jahren wurde eine 10-Jährige in Weimar ermordet. Nun hat die Polizei den 65-jährigen Hans-Joachim G. aus Reinickendorf festgenommen.

Der Täter hatte das Kind die Teufelstalbrücke heruntergeworfen. Sie steht unweit des Hermsdorfer Kreuzes in Thüringen an der Autobahn A4.
Der Täter hatte das Kind die Teufelstalbrücke heruntergeworfen. Sie steht unweit des Hermsdorfer Kreuzes in Thüringen an der...Foto: Jan-Peter Kasper/dpa

Er war schon vor der Wende nach Berlin gezogen, dann lebte der LKW-Fahrer jahrelang unbehelligt in Reinickendorf. Am Sonntag nahmen ihn Beamte des Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Berliner Polizei fest. Als sie mit der Kettensäge die Tür öffneten, griff Hans-Joachim G. (65) die Einsatzkräfte mit einer Eisenstange an – und wurde überwältigt.

G. ist dringend tatverdächtig, im Sommer 1991 im thüringischen Weimar die damals zehnjährige Stephanie D. verschleppt, sexuell missbraucht und dann ermordet zu haben, um den Missbrauch zu vertuschen. Inzwischen hat er ein Teilgeständnis abgelegt, wie die Ermittler der Thüringer Sonderkommission für Altfälle am Dienstag in Jena sagten. G. sitzt in Untersuchungshaft. Bei einer Verurteilung droht ihm nun eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Mutmaßlicher Täter war schon mehrfach aufgefallen

Vor 26 Jahren waren die Ermittlungen nach dem Fund der Leiche unter der Teufelstalbrücke bei Jena ergebnislos geblieben. Bekannt war nur, dass die damals Zehnjährige am 24. August 1991 aus einem städtischen Ilm-Park verschwunden war, nachdem sie mit einem Unbekannten mitgegangen war. Zwei Tage später wurde ihre Leiche gefunden.

Nun kamen die Ermittler dem Mann durch digitale Untersuchungsmethoden und dank DNA auf die Spur. Seit 2016 ermittelt eine Sonderkommission der thüringischen Polizei wieder zu Stephanies Tod und zwei weiteren bislang ungeklärten Taten aus den Jahren 1993 und 1996, denen Kinder zum Opfer fielen.

Der Tatverdächtige, der im Raum Weimar aufwuchs, war schon häufiger aufgefallen. Wie der MDR berichtet, war er bereits 1987 in Ost-Berlin zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten verurteilt worden. 1996 folgte eine Verurteilung zu einer mehrjährigen Haftstrafe vom Landgericht Gera wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in mindestens drei Fällen. In diesem Fällen soll er die Kinder auch entführt haben. Nach der Haft kam er in ein psychiatrisches Krankenhaus, aus dem er 2013 entlassen worden sein soll.

Die Tat wurde durch die Sonderkommission „Altfälle“ neu aufgerollt. Die Thüringer Polizei arbeitet seit Ende 2016 drei damals ungeklärte Kindermorde im Raum Jena aus den 1990er Jahre neu auf. Die Soko war eingesetzt worden, nachdem am Fundort der in Franken getöteten Schülerin Peggy eine DNA-Spur des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt entdeckt worden war. Es stellte sich jedoch heraus, dass es sich dabei um eine Verunreinigung bei der Spurensicherung gehandelt hatte. Die Soko setzte ihre Arbeit aber unabhängig davon fort. (mit AFP und DPA)

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