Kolumne "Fallstricke des Alltags" : Muss man dem Hochzeits-Dresscode folgen?

Was tun, wenn man nicht das passende Outfit zur Einladung im Schrank hat? Der Feier fernbleiben? Unsere Autorin weiß Rat.

Muss es denn ein "Cut" sein?
Muss es denn ein "Cut" sein?Foto: Oliver Berg/dpa

Meine Freundin und ich sind zu einer Hochzeit eingeladen mit einem, wie wir finden, wahnsinnig überzogenen Dresscode. Die Herren sollen im „Cut“, einem sehr eleganten Gesellschaftsanzug, kommen, die Damen mit Hut. Aber so was besitzen wir gar nicht. Natürlich wollen wir gern die Gelegenheit wahrnehmen, alte Freunde wiederzutreffen. Aber nun überlegen wir, ganz wegzubleiben.

Dresscodes sind meist als Hilfe zu verstehen, als Orientierung für Gäste, die nicht wissen, was sie anziehen sollen. Der von Ihnen beschriebene Dresscode gilt meist bei Hochzeiten in sehr traditionell orientierten Familien oder in gesellschaftlich ambitionierteren. Dass Sie deshalb nicht extra auf eine exaltierte und teure Shoppingtour gehen wollen, ist gut nachvollziehbar. Wobei man sich in einer uniformierten Gruppe natürlich wohler fühlt, wenn man nicht zu sehr abweicht. Nur deshalb auf die Party zu verzichten, wäre aber auch schade. Nehmen Sie all Ihr Selbstbewusstsein zusammen und gehen Sie in den feinsten Kleidungsstücken, die Sie besitzen, zur Hochzeit. Mit ein bisschen Glück entdecken Sie rasch Gleichgesinnte, die Ihnen das Gefühl nehmen, zu sehr aus dem Rahmen zu fallen.

Vorsichtshalber können Sie vorher beim Bräutigam oder der Braut kurz nachfragen, wie schlimm eine Umgehung des strengen Dresscodes wäre. Gewinnen Sie den Eindruck, dass sie das als lässliche Sünde rasch vergeben, genießen Sie das Fest ohne Sorge. Bleiben die Gastgeber stur, amüsieren Sie sich woanders vielleicht doch besser.

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