Kolumne Sonntagsfragen : Weinselige Verstimmungen

Freunde bringen sich bei Einladungen immer ihren eigenen Wein mit. Ist dieses Verhalten nicht impertinent und respektlos?

Was, wenn Freunde bei Essenseinladungen ihren eigenen Wein mitbringen - den der Gastgeber verschmähen?
Was, wenn Freunde bei Essenseinladungen ihren eigenen Wein mitbringen - den der Gastgeber verschmähen?Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Freunde von uns bringen sich bei Einladungen zu uns zum Essen immer ihren eigenen Wein mit – wohl, weil sie unsere Weinauswahl für nicht adäquat halten. Ich bin ganz anderer Ansicht, halte mich durchaus für in der Lage dazu, ein vernünftiges Getränk zu kredenzen und halte dieses Verhalten für impertinent und respektlos. Was meinen Sie? - Leander, vinophil

Woher wollen Sie wissen, dass die Freunde den Wein, den sie mitbringen, auch selber trinken wollen? Es ist doch durchaus üblich, zu Partys oder Abendessenseinladungen statt Blumen eine Flasche mitzubringen. Manche Gastgeber fühlen sich verpflichtet, diese Flaschen gleich in Umlauf zu bringen, aber das ist oft falsch. Manchmal wählen die Gäste einen besonders guten Tropfen, mit dem gerade nicht das Party-Volk begossen werden soll, sondern den die Gastgeber in aller Ruhe und Zurückgezogenheit einmal ganz persönlich genießen sollen. Besser man sagt das gleich am Anfang dazu, damit keine Missverständnisse bei den Gastgebern aufkommen.

Wer sich bewusst beteiligen möchte am Gelingen der Party, sollte vorher den Gastgeber fragen, welche Weine eine gute Ergänzung wären zu den angebotenen. Dann kann man ja besprechen, wie eine Beteiligung optimal zu gestalten ist. Wenn der Gastgeber sagt, er wolle sich um die Getränke am liebsten ganz allein kümmern, kann man als Mitbringsel immer noch Blumen oder Konfekt wählen.

Wenn es sich so verhält, wie Sie es darstellen beziehungsweise auffassen, dann benehmen sich die Freunde tatsächlich daneben. Wer eine Einladung annimmt, sollte bereit sein, sich auf die Angebote der Gastgeber ohne Einschränkungen einzulassen. Eventuelle gesundheitliche Einschränkungen kann man ja vorab bekannt geben, wenn man zum Beispiel alkoholfreien Wein trinken möchte.

Aber dass man darauf besteht, bei einem gemeinsamen Abendessen besseren Wein zu trinken als der Rest der Runde, offenbart eine Haltung, die mir nicht sehr freundschaftstauglich oder auch nur gesellschaftsfähig vorkommt.

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