• Konkurrenz für die Deutsche Bahn: Mehr Züge, mehr Service: Neue Ausschreibung für den Regionalverkehr

Konkurrenz für die Deutsche Bahn : Mehr Züge, mehr Service: Neue Ausschreibung für den Regionalverkehr

Die größte Ausschreibung für den Regionalverkehr auf der Schiene ist gestartet – für Berlins Großraum. Es soll zusätzliche Fahrten und mehr Sitzplätze geben.

Privatzug. Die Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg) macht der Deutschen Bahn seit 2002 Konkurrenz.
Privatzug. Die Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg) macht der Deutschen Bahn seit 2002 Konkurrenz.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Mehr Züge und mehr Sitzplätze: Im Regionalverkehr auf der Schiene soll sich das Angebot verbessern und der steigenden Nachfrage anpassen. Das Netz wächst um 25 Prozent. Am Mittwoch ist die Ausschreibung für das Netz „Elbe/Spree“, zu dem auch die meisten Linien durch Berlin und ins Umland gehören, im Europäischen Amtsblatt veröffentlicht worden. Es ist das bundesweit bisher größte Verfahren.

Nach den Vorgaben wird es auf der nachfragestärksten Linie, der RE 1 (Magdeburg–Berlin–Frankfurt/Oder–Cottbus), in den Hauptverkehrszeiten drei statt zwei Fahrten pro Stunde geben – mit jeweils 600 Sitzplätzen. Auch auf der RE 7 (Dessau–Senftenberg) fahren zwischen Bad Belzig und Wannsee stündlich zwei Züge statt wie bisher nur einem. Zwischen Berlin und Nauen gibt es stündlich vier statt drei Fahrten. Beim Airport-Express zwischen Hauptbahnhof und BER muss der Betreiber Züge mit mehr Sitzplätzen fahren lassen; aus 300 sind 550 geworden. Dies gilt auch für die RB 24 (Eberswalde–BER). Neu sind die Linien RB 21 von Potsdam über Spandau nach Gesundbrunnen sowie die RB 32 von Oranienburg über das Ostkreuz und Ludwigsfelde zum BER.

Gratis-W-Lan in den Zügen

Jeder Zug soll von Personal begleitet werden. Auch Gratis-W-Lan soll es in allen Zügen geben. Bei der Fahrradmitnahme soll die jeweilige Belegung den Fahrgästen online mitgeteilt werden. Und in Zügen mit „Servicemittelwagen“ soll es bei neuen Fahrzeugen Türen mit unterschiedlich hohen Einstiegen geben. Damit ist zumindest an einem Wagen das barrierefreien Einsteigen möglich, egal ob die Bahnsteige 55 Zentimeter oder 76 Zentimeter hoch sind. Auf Strecken, die nur teilweise elektrifiziert sind, sollen Züge fahren, die Abschnitte ohne Oberleitung mit Energie aus eingebauten Batterien überbrücken.

Die Linien sind in Lose aufgeteilt – und mehr als zwei der insgesamt vier darf ein einzelner Bewerber nicht erhalten. Die Länder Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sowie der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) wollen so den Wettbewerb stärken. Auf dem Markt tummelt sich inzwischen eine Vielzahl von Unternehmen als Konkurrenten der Bahn. Nach der Bahnreform von 1994 war die Deutsche Bahn noch fast allein unterwegs – und konnte hohe Zuschüsse von den Ländern verlangen. Zu den großzügigen Gebern zählte auch Brandenburg.

RE 1 hat die meisten Fahrgäste

Bereits in der Ausschreibung des jetzigen Betriebs war die Losvergabe beschränkt worden. So erhielt die Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg) den Zuschlag für ein Los, obwohl ihr Preis höher war als der der Deutschen Bahn.

Die lukrativste Linie mit den meisten Fahrgästen, die RE 1 zwischen Magdeburg, Berlin, Frankfurt (Oder) und Cottbus, ist zu einem Los geworden. Das zweite umfasst unter anderem den künftigen Airport-Express, FEX genannt. Auch die RE 2 (Nauen–Cottbus) gehört dazu. Insgesamt umfasst es acht Linien. Zum dritten Topf gehören fünf Linien; unter anderem die RE 7 Dessau–Berlin–Lübbenau–Senftenberg sowie mehrere Potsdam durchfahrende Linien. Auch das Los vier enthält fünf Linien. Die wichtigste ist die RE 8, die auf die Strecken Wismar–Wittenberge–Berlin–BER und Berlin–Wünsdorf-Waldstadt–Elsterwerda/Finsterwalde aufgeteilt wird.

Verträge dauern von 2022 bis 2034

Starten sollen die künftigen Betreiber der Linien mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2022. Die Verträge gelten bis 2034. Der Zuschlag ist für Herbst 2018 terminiert. Bei einem Betreiberwechsel soll das Personal zu den gleichen Rahmenbedingungen übernommen werden.

Die Einzelheiten der Ausschreibung, die erstmals auch veröffentlicht werden sollen, gab es am Mittwoch noch nicht. Das Veröffentlichen habe sich wegen der Fülle der Daten und Abstimmungen verzögert, sagte VBB-Sprecherin Elke Krokowski. Und ein kleiner Tippfehler bei einer Adressenangabe werde noch korrigiert.

Die komplette Ausschreibung gibt es unter: www.vbb.de/nes

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