Kriminalität in Berlin : Drohungen gegen angebliche Mörder von Nidal R.

Ein Bruder des ermordeten Berliner Clanmitglieds Nidal R. hat Fotos der angeblichen Täter veröffentlicht. Am Tatort entstand derweil ein Wandbild.

Zu der Beerdigung von Nidal R. erschienen mehr als 2000 Trauergäste
Zu der Beerdigung von Nidal R. erschienen mehr als 2000 TrauergästeFoto: Paul Zinken/dpa

Im Berliner Milieu kursieren Gerüchte darüber, wer Nidal R. erschossen haben könnte. Im Internet, vor allem auf dem Social-Media-Forum Facebook, verbreitet einer der Brüder des bekanntesten Intensivtäters der Stadt die Behauptung: Sieben Männer mit türkisch-kurdischen Wurzeln hätten R. am Sonntag vor einer Woche getötet. Dazu veröffentlichte der Bruder auch Fotos der Männer, die in Berliner Shisha-Bars bekannt sind. In einem Beitrag dazu heißt es: „Das sind sie, damit ihr alle Bescheid wisst, die haben meinen Bruder hinterhältig vor Angst getötet, die ehrenlosen Hunde.“ Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung darüber berichtet.

Die Staatsanwaltschaft teilte dazu auf Anfrage mit: Man kommentiere derlei Spekulationen nicht. Bislang flüchtige Männer hatten Nidal R., der schon als Kind durch Diebstähle und Schlägereien aufgefallen war, am Tempelhofer Feld mit mehreren Schüssen getötet. R. war dort mit seinen Kindern unterwegs, zahlreiche Passanten hatten die Tat beobachtet.

R. gehört einer Familie aus dem Libanon geflohener Palästinenser an. In Deutschland galt er mangels Ausweispapieren als staatenlos, eine Abschiebung 2004 war gescheitert. R. saß mehr als zehn Jahre in Haft – und hatte sich im Milieu arabischer Clans viele Feinde gemacht. Zu seiner Beerdigung am vergangenen Donnerstag kamen dennoch Angehörige aller bedeutenden Familien der Szene. Darunter Männer, mit denen sich Nidal R. schon Gefechte geliefert hatte.

Im Milieu werde eine solche Beerdigung als Großereignis bewertet, sagen Kenner, an dem auch diejenigen teilnehmen, die den Verstorbenen bekämpft haben. Rund .2000 Trauergäste, zumeist männlich und ganz überwiegend aus arabischen Familien, kamen auf den evangelischen Friedhof in Schönberg. Dort gibt es eine islamische Abteilung. Der Sarg war in eine Palästina-Fahne gehüllt. Mehr als 100 Polizisten waren im Einsatz.

Seit Sonntag entsteht am Tatort auf der Rückseite eines Imbissstandes ein Wandbild: darauf Nidal R. als Ikone.

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