Kriminalität in Berlin : Wo sind die Intensivtäter*innen?

Gerade wurde eine neue Statistik zu Intensivtätern in der Hauptstadt veröffentlicht - die wirft einige Fragen auf. Eine Glosse.

Unter Polizeischutz wurde das Wandbild des ermordeten Clan-Mitgliedes Nidal R. übermalt. Er galt als Intensivtäter.
Unter Polizeischutz wurde das Wandbild des ermordeten Clan-Mitgliedes Nidal R. übermalt. Er galt als Intensivtäter.Foto: imago/Olaf Selchow

Intensivstädter sind wir alle, Intensivtäter eher nicht. Die zwei Buchstaben weniger machen einen riesigen Unterschied aus, und man wird wohl sagen müssen, dass der Intensivtäter an sich geradezu symbolisch steht für alles, was den Intensivstädter in der aktuellen Weltlage ängstigt: Plötzliche Brutalität aus dem Nichts, Gier, null Unrechtsbewusstsein. Nun teilt uns die Justizverwaltung soeben mit, der Zahl dieser Personen sei in Berlin im ersten Halbjahr 2018 um sechs auf 431 gesunken.

Das klingt erst einmal komisch. Wo sind die hin? Gestorben, abgereist, untergetaucht? Oder kann man den Intensivtäterstatus loswerden wie die Punkte in Flensburg, wenn zwei Jahre ohne Tat verstrichen sind? So oder so wird man aus dieser kleinen Abweichung kaum Schlüsse ziehen können, zumal der Verdacht besteht, dass der Politik nichts an einem Anstieg der Zahlen liegen kann.

Deshalb wirkt es ziemlich hastig, dass Justizsenator Behrendt dies als Beleg für erfolgreiche Arbeit wertet und mit dem Hinweis versieht, „es passe nicht ins Bild derjenigen, deren Geschäft die Angst der Leute ist.“ Ist das so? Interessanter für Verängstigte mag sein, dass 44 Prozent der Betreffenden weggeschlossen sind, was zumindest die Wahrscheinlichkeit mindert, einem von ihnen auf der Straße in die Quere zu kommen.

Der Anteil von Flüchtlingen aus den Krisengebieten (13) oder dem Maghreb (1) an den Intensivtätern ist sehr gering, das klingt gut. Andererseits: Um als einer aktenkundig zu werden, braucht man viel Zeit, insofern ist auch diese statistische Aussage nicht allzu viel wert. Aussagekräftiger: Nur sechs der Intensivtäter sind Frauen. Das erklärt wohl, weshalb in der Pressemitteilung nirgendwo die Form „Intensivtäter*innen“ auftaucht – auch mal positiver Sexismus.

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