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Kulturdebatte : "Avenidas"-Gedicht kommt an Fassade in Gomringers Heimat Rehau

Die Berliner Alice Salomon Hochschule lässt das Gedicht "Avenidas" von Eugen Gomringer an der Fassade übermalen. Des Dichters oberfränkischer Wohnort reagiert.

Umstritten: Das Gomringer-Gedicht "Avenidas" hier noch an der Fassade der Alice Salomon Hochschule in Berlin-Hellersdorf
Umstritten: Das Gomringer-Gedicht "Avenidas" hier noch an der Fassade der Alice Salomon Hochschule in Berlin-HellersdorfFoto: dpa/ASH Berlin/David von Becker

Die Berliner Alice Salomon Hochschule hat beschlossen, das als sexistisch kritisierte Gedicht "Avenidas" von Eugen Gomringer von ihrer Fassade zu entfernen. In der Heimatstadt des Poeten in Bayern löst das eine gegenteilige Reaktion aus.

Der Rat der oberfränkischen Stadt Rehau im Landkreis Hof hat am Mittwochabend beschlossen, das Gedicht großformatig an die Fassade des städtischen Museums am Maxplatz schreiben zu lassen.

"Die Entscheidung fiel mit großer Mehrheit", sagte Rehhaus Erster Bürgermeister Michael Abraham (CSU) dem Tagesspiegel. 19 Ja- standen zwei Nein-Stimmen gegenüber.

Eugen Gomringer, ein Begründer der Konkreten Poesie, lebt seit Jahrzehnten in Rehau und leitet dort das Kunsthaus IKKP mit dem "Institut für Konstruktive Kunst und Konkrete Poesie". Die Rehauer Kommunalpolitiker empfinden daher laut Abraham "auch eine gewisse Verpflichtung, dem Gedicht eine neue Heimat zu geben."

Der Akademische Senat der Alice Salomon Hochschule in Berlin-Hellersdorf hatte beschlossen, dass auf der Fassade bei der sowieso anstehenden Sanierung im Herbst 2018 ein Gedicht der Lyrikerin Barbara Köhler angebracht wird. Sie hatte im vergangenen Jahr den Alice Salomon Poetik Preis gewonnen. Alle fünf Jahre soll auf der Fassade künftig das Werk eines anderen Preisträgers gezeigt werden.

Tafel mit Hinweis auf Berliner Debatte

In Rehau soll die mit dem "Avenidas"-Gedicht dann neu gestaltete Fassade begleitet werden von einer Tafel, die den Hintergrund von "Avenidas" auch mit der kontroversen Debatte in Berlin erläutert. "Das ist noch in der Feinplanung", sagte Abraham zur Gestaltung.

Das Aufpinseln des Gedichts auf die Hausfassade sei geplant für die frostfreie Zeit nach dem Winter. Es dürfte das "zeitige Frühjahr" werden, sagte Abraham.

Laut dem Sender "BR24", der ebenso wie die "Süddeutsche Zeitung" zuerst über den Beschluss in Rehau berichtete, wollen nach der Entscheidung der Berliner Hochschule auch die Städte Bielefeld und Schaffhausen (Schweiz) das umstrittene Gedicht im öffentlichen Raum zeigen.

An der Hochschule in Berlin ist Gomringers Gedicht seit 2011 an der Fassade zu sehen. Die Übersetzung aus dem Spanischen lautet: Alleen/Alleen und Blumen/Blumen/Blumen und Frauen/Alleen/Alleen und Frauen/Alleen und Blumen und Frauen und/ein Bewunderer.

Kritiker nahmen Anstoß an dem Satz "Alleen und Blumen und Frauen/und ein Bewunderer". Damit würden Frauen zum Objekt männlicher Bewunderung degradiert.

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