Landtagswahl in Brandenburg : Eine grüne Insel inmitten von blau und rot

In Carmzow-Wallmow gehen die meisten Zweitstimmen an die Grünen. Bei der Landtagswahl in Brandenburg ist der Ort damit eine Insel zwischen SPD-Rot und AfD-Blau.

Grafik: Tagesspiegel

Das uckermärkische Dorf Carmzow-Wallmow ist auf Brandenburgs politischer Landkarte eine grüne Insel – inmitten von AfD-Blau und SPD-Rot. Daneben haben die Grünen nur noch in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) an der südlichen Stadtgrenze von Berlin die meisten Zweitstimmen erhalten.

Carmzow-Wallmow liegt am äußersten nordöstlichen Landeszipfel an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern. Die Landschaft ist hügelig, dazwischen Seen und Tümpel - und viele Windräder. Schon im frühen 13. Jahrhundert siedelten hier die Slawen. 608 Einwohner hatte die Gemeinde im Jahr 2018.

Die Grünen holten bei der Wahl nun 23 Prozent der Stimmen, dicht dahinter die AfD mit 22 Prozent.

Der ehrenamtliche Bürgermeister Harald Zimmermann kann sich den hohen Stimmenanteil der Grünen leicht erklären: Vor 20 Jahren eröffnete ein Elternverein im Ortsteil Wallmow eine freie Schule und eine Kita. Menschen aus Berlin, Thüringen und Süddeutschland zogen her. Für Kita und Schule gibt es Wartelisten, im Ort keinen Leerstand, noch „die letzte Dachkammer“ ist vermietet. 

Von den 300 Einwohnern waren zuletzt 80 minderjährig. Es gibt einen Bio-Bauern, der Fleisch und Eier nach Berlin liefert, einen Gasthof und einen Tante-Emma-Laden. 

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Dort treffen sich die Einwohner freitags zum Grillen an der Feuerschale. Es gibt Vereine, die Feuerwehr, geführt von einer Frau, und in Carmzow eine staatliche Kita. So richtig grün ist von der 2001 fusionierten Gemeinde aber nur Wallmow. 33 Prozent der Stimmen bekamen die Grünen dort, bei einer Wahlbeteiligung von knapp 56 Prozent.

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Die lag in Carmzow zehn Prozent darunter, die AfD holte dort 32 Prozent. Eine Wallmowerin sagt: Mit den Leuten in Carmzow, sechs Kilometer weiter nördlich, gebe es nur wenige Berührungspunkte.

Völlig unter geht der Ortsteil Cremzow mit 75 Wahlberechtigten, bei denen die SPD vor der CDU das Rennen machte.

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