Lange Nacht der Ideen am 1. Juni : Dialog auf der Hauswand

Das Projekt "Digital Calligraffiti" möchte Berlin und Durban einander näher bringen.

Vorläufer: Das "Digital Calligraffiti Camp" mit Geflüchteten im CHB im Januar 2017.
Vorläufer: Das "Digital Calligraffiti Camp" mit Geflüchteten im CHB im Januar 2017.Foto: Public Art Lab

Die Welt ist vernetzt: Fast jeder Erdteil kann dank Internet und Mobilfunk in Echtzeit miteinander kommunizieren – zumindest technisch gesehen. Real findet der Austausch zwischen den Kontinenten und Kulturen leider nicht so häufig statt wie es eigentlich möglich wäre. Genau dies soll jedoch beim Projekt „Digital Calligraffiti“ passieren, das am 1. Juni am Umspannwerk Alexanderplatz im Rahmen der Langen Nacht der Ideen zur Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik stattfinden wird: Ein öffentlicher Dialog zwischen Berlin und Durban in Südafrika, geführt in Form von Textbotschaften, die auf Hauswände projiziert werden.

Das Prinzip ist einfach: An einem Lichttisch kann jeder, der möchte, seine Botschaften auf eine Transparentfolie schreiben, diese werden dann über einen Beamer als leuchtende Graffiti auf die Außenwand des Umspannwerks geworfen und sind auch von der S-Bahn aus zu sehen. „In Durban steht genau das gleiche Set-up“, erklärt Susa Pop vom Public Art Lab aus Berlin, das das Projekt ins Leben gerufen hat. „Alles, was in Berlin geschrieben wird, wird gleichzeitig auch in Durban projiziert. Die andere Stadt antwortet darauf, und so kann man sich im Ping-Pong-Prinzip gegenseitig Nachrichten schicken.“ Die Botschaften aus Berlin werden dabei rot gefärbt sein, die aus Durban blau, damit man den jeweiligen „Absender“ unterscheiden kann.

Das Besondere dabei ist die Form, in der die Texte verfasst werden sollen: Calligraffiti, also Botschaften, die in Form klassischer Kalligraphie mit elegant geschwungenen Buchstaben auf Hauswände geschrieben wird. „Calligraffiti spielte im arabischen Frühling eine sehr wichtige Rolle“, sagt Pop. „Die Kombination aus schön geschriebenen Nachrichten an öffentlichen Wänden hatte eine sehr subversive Wirkung.“

Entwickelt wurde das Projekt von den Künstlern Michael Ang und Hamza Abu Ayyash, die bereits 2017 eine ähnliche Aktion am U-Bahnhof Friedrichstraße durchgeführt hatten: Damals konnten Geflüchtete ihre Gedanken in Form digitaler Calligraffiti an Wände projizieren, darunter waren Botschaften wie „Wissen ist Macht“, „Ich liebe Berlin“ oder „Missing and wishing“. Man darf gespannt sein, welche Formeln zwischen Berlin und Durban ausgetauscht werden.

Pop erhofft sich von dem neuen Projekt, dass es den interkulturellen Dialog fördert und Demokratie und Partizipation stärkt, indem jeder öffentlich seine Meinung sagen kann: „An Hauswänden ist sonst immer nur Werbung zu sehen, hier kann man sich diesen öffentlichen Raum zurückholen“, sagt Pop.

Weitere Texte zur Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik finden Sie auf unserer Themenseite.

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