Berlin : Le Bar

Frank Jansen

Es wirkt auf moderne Weise streng, das Maritim Hotel in der Stauffenbergstraße. Die kantige Fassade, die großen Fenster, die kühle Pracht im weitläufigen Eingang – es kann sich ein wenig Frösteln einstellen, wenn man nicht als Geschäftsreisender kommt, der sachlichen Komfort erwartet und businessferne Ablenkung scheut. Das gilt allerdings nur bis zur Bar. Die verzichtet im Namen zwar auch auf überflüssiges Ornament und leistet sich nur den Luxus der Einzigartigkeit: „Le Bar“. Doch innen wird geschwelgt. Ein üppiger Mix aus zeitgeistigen Interpretationen von Jugendstil und Art déco empfängt den Besucher, der sich erstmal zurechtfinden muss. Wohin jetzt? An die wuchtige Bar, die mit ihren Aufbauten voller Flaschen und Gläser fast schon an einen Kristallpalast erinnert? In eine Windung der langen, schlangenförmigen Sitzgruppe mit der hohen Lehne, oder aufs Podest, in die Nähe des Pianos? Drinking man und compañera entschieden sich für die Schlange. Und versanken in tiefes, plüschiges Polster.

Einige Details. Den roten Teppichboden überzieht ein schwarzes Schlingpflanzenmuster. Links und rechts der wie ein mächtiges Hufeisen in den Raum ragenden Bar hängen zwei große Bildschirme, auf denen beim Besuch des drinking couple lautlos ein Nachrichtensender flimmerte. Am Piano sang ein Mann, dessen Drang nach einem größeren Saal nicht zu überhören war. Der eigentliche Star in „Le Bar“, Chefkeeper Andreas Lanninger, zeigte sich allerdings nur kurz. Kürzlich wurde er vom „Schlemmer Atlas“ für 2007 zum „Barkeeper des Jahres“ gekürt. Das passt.

Die Karte ist gut sortiert und nennt erfreulich viele Gin-Sorten. Dass dann auch der Gin Tai mit dem famosen Tanqueray Gin anstatt des sonst üblichen Gordon’s geboten wird, veranlasste den drinking man umgehend zur Order. Es kam ein wuchtiges Getränk mit vielen Eisblöckchen, aber wenig Mandelsirup. Dieser Gin Tai sah nicht aus und schmeckte nicht so süß, wie er sollte, war aber erfrischend. Ähnlich ging es der compañera mit dem Sex on the Beach. Doch auch hier galt: Konsum ohne Reue.

Es folgten ein großer Gimlet, durchaus passabel, und der alkoholfreie Nemo (frische Maracuja, Orange, Himbeere, Zitrone, Himbeersirup), den die compañera sehr lobte. Leider leistete sich Lanningers Crew auch ein paar Schwächen. Die vom drinking couple bestellten Gläser mit Leitungswasser kamen erst auf Nachfrage und deshalb 20 Minuten später als die ersten Cocktails. Außerdem war es trotz der opulenten Ausstattung des Tresens nicht möglich, einen Daiquiri auch frozen zu bekommen. Und die Kellnerin nahm den geleerten Schälchenständer für Erdnüsse mit, ohne einen vollen zurückzubringen. Schade eigentlich.

„Le Bar“ mag jung sein, ist aber ein klassisches Exemplar der Old-School-Barszene West-Berlins. Opulent nostalgisches Dekor, touristentaugliche Cocktails, Halbgottkeeper. Laut Karte gibt es hier auch eine 15-Liter-Flasche „Moët & Chandon Nebukadnezar“. Für 1630 Euro.

Le Bar, im Maritim Hotel, Tiergarten, Stauffenbergstraße 26, Tel.: 20 650, montags bis freitags 8 bis 1 Uhr, am Wochenende 10 bis 3 Uhr

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