Lesermeinung zu TXL : Berlin braucht auch mit BER einen Ausweichflughafen

Es geht bei Tegel nicht um nostalgische Sehnsucht, findet unser Leser, sondern um Kapazitäten wie in anderen Metropolen.

Horst Pillau
Der Autor, in Wien geborener Berliner, ist Schauspieler, Bühnenautor und begeisterter Pilot
Der Autor, in Wien geborener Berliner, ist Schauspieler, Bühnenautor und begeisterter PilotFoto: promo

In Sachen Tegel irrt der von mir seit Jahrzehnten verehrte Gerd Appenzeller. Bei Tegel geht es nicht um nostalgische Sehnsucht nach diesem Platz, sondern darum, dass eine Mehrmillionenstadt auch einen sogenannten Alternate braucht, einen für die Luftfahrt lebenswichtigen Ausweichflugplatz. Von diesem Wort haben offenbar weder Senat noch der BER-Chef jemals gehört, meines Wissens haben sie ihn noch nie verwendet.

Andere Städte wie etwa London, Paris und Washington haben mehrere Alternates, sie werden etwa für Unwetterkatastrophen oder Zwischenfälle gebraucht. Flughafenchef Lütge Daldrup hat neulich den technischen Zustand von Tegel besichtigt und war entsetzt, wie veraltet er ihm schien. Na und? Nach vielen Jahren ist jeder Platz renovierungsbedürftig und braucht dazu einige Millionen aber keineswegs eine Milliarde nach der anderen. Auch Stansted, Heathrow, de Gaulle und andere müssen immer wieder modernisiert werden. Bei einem Orkan mussten kürzlich Tegel- und Schönefeldflieger in Dresden und sogar in Prag (!) landen.

Auch außerhalb der Stadtgrenzen gibt es große Freiflächen

Von Washington wollten wir vor Jahren nach Frankfurt fliegen, aber das Gewitter war so schwer, dass der Vorort Alexandria gebrannt hat und Dulles Airport musste landende Flugzeuge von National nahe dem Weißen Haus und von Baltimore Washington aufnehmen, eine endlose Kette ausweichender Maschinen. Sollten BER-Maschinen nach Rostock, Leipzig oder Hannover ausweichen müssen, könnte es, wenn sie low on fuel werden, auch eine Katastrophe geben.

Die innerstädtische Planung mit großen Wohngebieten und industriepolitischer Planung ist angesichts dieses Umstandes völlig zweitrangig. Es gibt auch außerhalb der Stadtgrenzen große Freiflächen. Der Brandenburgische Ministerpräsident wiederum missachtet einen Teil seiner Bewohner im Westen, Nordwesten seines Landes, auch die im nahen Mecklenburg-Vorpommern. Sie müssten beim Wegfall von Tegel zweieinhalb Stunden lang durch Berlin oder um Berlin herum fahren, um dann vom BER aus in 46 oder 52 Minuten nach München zu fliegen. Alle Politiker reden sich dann hilflos auf den schrecklichen Bürokratenbegriff Planfeststellungsbeschluss heraus.

Wenn ein Planfeststellungsbeschluss völlig überholt und sinnlos geworden ist, muss man ihn ändern können, wie auch viele Gutachter bestätigen. Das Wort Planfeststellungsbeschluss sollte zum Unwort das Jahres gewählt werden.

Horst Pillau, Berlin-Schöneberg

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