Lieferschwierigkeiten : Wespenstich-Medikamente in Berlin knapp

Allergiker haben gerade stadtweit ein Problem: Notfallmedikamente gegen Wespenstiche sind momentan kaum zu bekommen. Bundesweit gibt es Lieferengpässe.

Milena Fritzsche
Die Wespenplage macht besonders Allergikern schwer zu schaffen.
Die Wespenplage macht besonders Allergikern schwer zu schaffen.Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Es ist nur ein kleiner Stich, der aber lebensbedrohlich sein kann. Als Ariane K. am Mittwoch von einer Wespe gestochen wurde, schwoll plötzlich ihr Gesicht an, der Kreislauf versagte und sie konnte nur noch schwer schlucken. Erst der Notarzt konnte ihr mit einer Mischung aus Cortison und Adrenalin Linderung verschaffen.

Damit sie in Zukunft besser gewappnet ist und sich einen Krankenhausaufenthalt ersparen kann, verschrieben die Ärzte ein Notfallmedikament mit dem Wirkstoff Adrenalin, das sie sich nach einem möglichen Stich sofort spritzen soll. „Die Ärztin hat mir gesagt, ich muss es immer und ständig bei mir führen“, sagt sie und fügt hinzu: „Auch auf dem kurzen Weg zum Mülleimer draußen.“

Doch dann die Überraschung: In der Apotheke erfuhr die Mariendorferin, dass das Medikament aktuell nicht lieferbar sei. Also griff sie zum Telefonhörer, um sich bei rund 30 weiteren Berliner Apotheken zu erkundigen. Keine Chance: Weder das verschriebene „Emerade 500“ noch die beiden alternativen Medikamente „Fastjekt“ und „Jext“ könnten bestellt werden. Und die letzten Bestände seien in diesem heißen und Wespenreichen Sommer bereits ausverkauft.

"Es geht um das Leben der Betroffenen"

Ulrike Lange muss derzeit immer wieder Kunden wegschicken, ohne ihnen helfen zu können. Die Leiterin der Hölderlin-Apotheke in Kreuzberg kann bestätigen, dass die entscheidenden Medikamente für Allergiker „in allen Stärken und Packungsgrößen“ momentan nicht lieferbar seien. „Ein anaphylaktischer Schock ist sehr gefährlich. Da geht es um das Leben der Betroffenen“, sagt Lange und fühlt sich hilflos: „Es tut mir total Leid für die Patienten, aber wir können nichts machen.“

Die Pharmazeutin frage immer wieder bei den Herstellern nach. Die Firmen würden sie momentan auf Mitte September vertrösten. Doch bis dahin ist die große Wespenplage wahrscheinlich schon überstanden.

Die Lieferengpässe seien ein bundesweites Problem, bestätigt Christian Splett von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Auch ein weiteres Mittel, das Allergikern nach Wespenstichen helfen kann – wenngleich in schwächerer Form – ist laut des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte nicht lieferbar: „Celestamine Liquidum“. Adriane K. hatte Glück: Zumindest dieses Medikament hatte eine Apotheke noch im Lager. Den wichtigen Wirkstoff Adrenalin könne es aber nicht ersetzen.

Insofern bleiben für die Allergikerin lediglich die praktischen Ratschläge von Ärzten und Apothekern: Sie solle sich vorsichtig verhalten, nicht draußen essen und nur enggewebte, möglichst eng anliegende Kleidung tragen. Außerdem wurde ihr empfohlen, Insektenschutzspray zu verwenden. „Aber ich kann mich doch nicht jeden Tag mit diesem Zeug einsprühen“, sagt sie. „Es ist ein Unsicherheitsgefühl. Den Schutz, den ich haben könnte, bekomme ich im Notfall nicht.“

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