„Lina“ in Mitte : Im Nabu-Restaurant schäumt das Wolfsbier

Der Naturschutzbund hat in Mitte sogar ein eigenes Café-Restaurant. Die Lebensmittel stammen aus der Region. Auch sonst ist der Umweltgedanke allgegenwärtig.

Anja Reinbothe-Occhipinti
Pariser Charme. Spiegel, Glas und viel Holz dominieren im „Lina“.
Pariser Charme. Spiegel, Glas und viel Holz dominieren im „Lina“.Foto: Anja Reinbothe

Grünen-Politiker Cem Özdemir isst dort zu Mittag, Angestellte aus den umliegenden Botschaften, Beschäftigte aus dem Bundestag oder Ärzte und Pfleger aus der Charité. Reservieren empfiehlt sich, sonst hat man kaum Chancen auf einen Platz. Denn der Laden läuft.

Der Laden, das ist das Café und Restaurant „Lina“, das zum Naturschutzbund Deutschland e. V., kurz Nabu, gehört. Es befindet sich in direkter Nachbarschaft zu dessen Bundesgeschäftsstelle in der Charitéstraße in Mitte. Wer im ruhigen Innenhof Platz nimmt, fühlt sich wie in einer versteckten Pariser Seitengasse, abgeschirmt, für den Moment weg vom Alltag.

Seit 2008 gibt es das kleine Café und Restaurant nun schon, benannt nach der 1941 verstorbenen Vogelschützerin und Nabu-Gründerin Lina Hähnle. Der Naturschutzbund zog damals zugleich mit der Bundesregierung von Bonn nach Berlin. An der neuen Adresse sollte ein eigenes Restaurant her. „Anfangs wurde es privat geführt. Doch nach zwei Jahren hat es der Nabu gekauft und übernommen“, erzählt Restaurantleiter Karsten Höth.

Lässig sitzt der 50-Jährige nach dem Mittagsgeschäft in T-Shirt, Jeans und mit Turnschuhen auf der Bank, die entlang der Spiegelwand verläuft. Wie immer hatte sein Team um die Mittagszeit alle Hände voll zu tun, werkelt aber noch gut gelaunt in der Küche. Geschirr und Töpfe klappern. Der Blick schweift durchs Restaurant mit seinem französischen Charme. Holz und Spiegel dominieren. An den Scheiben prangt das „Lina“-Logo mit Vogel, symbolisch für den Nabu, der aus dem Vogelschutz hervorgegangen ist.

Höth erzählt die Geschichte des Gebäudes. „Vor dem Krieg befand sich hier ein ein Tabakladen, zu DDR-Zeiten wohl eine Druckerei.“ Schließlich wandelte der heutige Vermieter alles in ein Bürohaus um.

Viel Vegetarisches und Veganes

„Wir sind dem Nabu zwar angeschlossen, aber wirtschaftlich autark“, sagt Karsten Höth. Jede Woche überlegt er sich eine kleine, feine Mittagskarte. „Wir kochen nie etwas doppelt, außer die Gäste wünschen es.“ Klassiker der deutschen, mediterranen oder asiatischen Küche versieht er mit einer exquisiten Note: Die Spargel-Kartoffel-Suppe toppen Kerbelöl und rosa Beeren, Kung Pao, das scharf-würzige Reisnudeln-Wok-Gericht aus China, verfeinert der Koch mit Zucchini, Cashew und Sesam. „Wir bieten viel Vegetarisches an und vegane Gerichte.“ Alle Rezepte lüftet Höth zum Nachkochen auf seiner eigenen Website: www.deli-berlin.com.

[Nabu-Restaurant „Lina“, Charitéstraße 3, geöffnet nur werktags, 11 bis 15.30 Uhr, Tel.: 28 49 84-1970, www.restaurant-lina.de]

Der Umweltgedanke ist allgegenwärtig. Das Lina-Team legt Wert auf einen niedrigen CO2-Verbrauch. Gekocht wird vorwiegend mit ökologisch erzeugten Lebensmitteln aus Berlin und Brandenburg. Höth schrubbt auch gerne mal selbst die Möhren, sein Team hält sich an die Nabu-Richtlinien.

„Kein Thunfisch beispielsweise wegen der bedrohten Bestände“. Das Wildfleisch stammt aus einer „ökologisch nachhaltigen Jagd“. Dafür hat der Naturschutzbund eigene Jagdkriterien entwickelt, Bleimunition ist beispielsweise untersagt. Während der Jagdsaison wird das Fleisch auch Privatkunden angeboten.Naturschutzbund eigene Jagdkriterien

Das Restaurant verkauft auch eigene Produkte

„Zwei Monate haben wir das Restaurant selbst umgebaut“, erinnert sich Höth, der von Anfang an bei Lina dabei ist. Gelernt hat der gebürtige Berliner einen ganz anderen Beruf. Er ist Metallurge für Walzwerktechnik, doch nach der Wende verlor er seinen Job, ließ sich zum EDV-Kaufmann umschulen, weshalb er heute alles Digitale und Grafische für Lina selbst herstellt, beispielsweise das gerade aufgefrischte Logo. Nebenher half er damals erst in einem Restaurant aus, anfangs in der Garderobe, später avancierte er zu dessen Leiter. Schließlich kam er 2008 ins Lina.

Das Restaurant bietet nicht nur Mittagstisch und einen Cateringservice an, es verkauft auch eigene Produkte wie Mettwurst oder Kochbücher und Waren von Partnern: äthiopischen Wildkaffee, Teelichter und ganz neu: „Isegrim Berliner Pils“. Das Wolfsbier lässt der Nabu zusammen mit der Berliner Agentur „Mediafabrik“ von der Bio-Brauerei „Brewbaker“ in Moabit produzieren.

Anlass ist die zehnjährige Kooperation der Agentur mit dem Naturschutzbund beim bundesweiten Projekt „Willkommen Wolf“. Isegrim-Bier gibt's bei Lina auch im Ausschank. Aber reservieren sollte man vorher.

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