Lohnniveau in der Hauptstadt : Berliner holen auf, Berlinerinnen weniger

Arbeitnehmer in Berlin verdienen fast so viel wie sonst in Deutschland üblich. Allerdings erhalten Männer 100 Euro mehr als Frauen, anders als in Brandenburg.

Lohnunterschiede schleifen: Insgesamt gleichen sich die Löhne in Deutschland langsam an. Doch in Berlin verdienen männliche Vollzeitbeschäftigte deutlich mehr als weibliche.
Lohnunterschiede schleifen: Insgesamt gleichen sich die Löhne in Deutschland langsam an. Doch in Berlin verdienen männliche...Foto: imago images / Winfried Rothermel

Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben im vergangenen Jahr mehr verdient als noch 2017. Insgesamt stieg das Lohnniveau in Berlin weiter an und erreichte damit fast das bundesweite Niveau. In Brandenburg ist der Nachholbedarf größer. Das geht aus einer am Montag von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlichten Statistik hervor.

Demnach lag der mittlere Wert der monatlichen Bruttoarbeitsentgelte von Vollzeitbeschäftigten in Berlin Ende 2018 bei 3242 Euro und damit um 3,7 Prozent über dem Wert von 2017 (3126). Damit haben Berlins Vollzeitarbeitnehmer 98,1 Prozent des gesamtdeutschen Lohnniveaus erreicht. Fünf Jahre zuvor lag dieser Wert erst bei 69,1 Prozent.

Diese Zahlen beschreiben nicht den Durchschnitt, sondern den Median, also den mittleren Wert einer Zahlenreihe, auf der gleich viele Werte höher wie niedriger eingetragen sind. Anhand des Medians lassen sich Werte ebenfalls gut vergleichen. Das Bruttoarbeitsentgelt bezeichnet den Entgeltanspruch vor Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen. Es umfasst auch Urlaubs- und Weihnachtsgelder und andere Zahlungen.

In Berlin verdienen Männer mehr, in Brandenburg die Frauen

Ein tieferer Blick in die Statistik zeigt, dass Berlins Männer mit 3291 Euro je Monat 100 Euro mehr verdienen als Frauen (3191). Sie erhalten nur 97 Prozent des Männer-Entgelts. In Brandenburg ist es andersherum: Hier verdienen Frauen mit 2666 Euro vier Prozent mehr als Männer – zuletzt 2559 Euro. (Lesen Sie hier eine Analyse über die Gender-Pay-Gap im Fußball).

Insgesamt stieg auch in Brandenburg die Höhe des mittleren Bruttoarbeitsentgelts innerhalb eines Jahres um vier Prozent auf 2593 Euro. Das sind allerdings nur 75,6 Prozent des Bundesniveaus. Dazu kommen die großen regionalen Unterschiede: So verdienen Arbeitnehmer in der Landeshauptstadt Potsdam mit 3073 Euro nicht viel weniger als in der benachbarten Millionenstadt Berlin.

Im südlichen Landkreis Elbe-Elster hingegen liegt der Verdienst mit 2324 Euro rund 30 Prozent, also fast ein Drittel, unter dem bundesdeutschen Median.

BA-Chef: Aufholprozess muss weitergehen

„Berlin und Brandenburg haben bei der Lohnentwicklung aufgeholt: Beim Bruttolohn ist der Abstand zum bundesdeutschen Niveau geringer geworden“, fasste Bernd Becking, der Vorsitzende der Geschäftsführung der BA Regionaldirektion Berlin-Brandenburg, die Zahlen zusammen.

Er unterstrich, dass der Lohn-Anstieg in beiden Ländern stärker ausfalle als in Deutschland insgesamt. „Die gute wirtschaftliche Entwicklung in Berlin und Brandenburg spiegelt sich nicht nur in sinkenden Arbeitslosenzahlen wider, sondern sie kommt auch bei den Arbeitnehmern im Portemonnaie an. Das ist erfreulich, dennoch muss der Aufholprozess weitergehen.“

Bei den Arbeitsentgelten zeige sich deutlich, dass eine solide Berufsausbildung die beste Voraussetzung für eine gute Bezahlung sei, meinte Becking weiter. Jugendliche sollten deshalb gerade jetzt die Chance nutzen und sich noch einen Ausbildungsplatz zum Start im Herbst sichern. In der Region gibt es derzeit fast 15.000 freie Ausbildungsstellen.

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