Deutliche Worte einer Bundestagsabgeordneten und Mutter

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Update
Magen-Darm-Epidemie : Fast 2200 Kinder in Berlin erkrankt

Sehr deutlich äußerte sich die brandenburgische Bundestagsabgeordnete Katherina Reiche zu dem Thema: "Der Skandal um Sodexo war nur eine Frage der Zeit.“, teilte Reiche mit. „Ich bin nicht verwundert über die aktuelle Entwicklung nur überrascht, dass es so lange gedauert hat, bis etwas passiert.“

„Seit mehr als sieben Jahren erlebe ich die eklatante Mangelhaftigkeit in der Zubereitung und Hygiene bei Sodexo, auch als betroffene Mutter von schulpflichtigen Kindern", so Reiche weiter. Immer wieder habe sie Klagen der Eltern, Schüler und Lehrer über das Schulessen von Sodexo gehört. "In Elternkonferenzen verschiedene Schulen ist die mangelhafte Qualität von Sodexo beklagt und oft ein anderer Essensanbieter gesucht worden." Gleichwohl habe Sodexo nie reagiert. "Jetzt ist schnelles Handeln geboten! Die Vorgänge müssen lückenlos aufgeklärt werden.“ Sie habe das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz um Hilfe und Unterstützung gebeten.

Bisher wurde in Berlin nach einer ersten Übersicht nur eine Schule wegen der Infektion geschlossen: die 20. Grundschule am Vierrutenberg in Lübars. Wegen des Beginns der Herbstferien am Freitag seien wohl auch keine weiteren Schließungen nötig, hieß es in den Schulämtern. Weitere Meldungen über Krankheitsausbrüche kamen bislang aus den Bezirken Tempelhof-Schöneberg, Charlottenburg-Wilmersdorf, Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf.

Die vermutlich durch angeliefertes verdorbenes Schulessen ausgelöste Erkrankung sei "hochgradig ärgerlich, aber voraussichtlich relativ harmlos", sagte Brockhausen auf Anfrage. Die Kinder hätten kurzfristig Durchfall und Erbrechen, die Infektion verlaufe aber "glimpflich." Man müsse keine längerfristigen Gesundheitsschäden befürchten, bisher sei auch kein Kind in eine Klinik gekommen. Ähnlich äußerten sich am Freitag auch die Gesundheitsstadträte anderer Bezirke.

Ob die Erkrankung tatsächlich durch das Noro-Virus ausgelöst wurde, ist laut Uwe Brockhausen noch ungeklärt. Mit den Untersuchungsergebnissen wird am Freitagnachmittag gerechnet. In Verdacht, kontaminiertes Essen geliefert zu haben, steht die Catering-Firma Sodexo aus Thüringen, die Schulen und Kitas beliefert und drei Standorte in Brandenburg sowie mehrere Niederlassungen in Berlin hat. Laut Senatsbildungsverwaltung schließen die Bezirke mit dem Großcaterer für ihre Schulen die entsprechenden Lieferverträge ab, bei den Kitas entscheide jeder Träger einzeln, welchen Caterer er beauftragt. In einem am Freitagvormittag verschickten Rundbrief an alle Schulen empfahl die Bildungsverwaltung, Essenslieferungen der Firme Sodexo vorerst nicht mehr an die Schüler auszugeben.

Die Gesundheitsbehörden verteilten an die Schulen Desinfektionsmittel- und Tücher und gaben die Empfehlung aus, Toiletten, Türklinken und andere häufig angefasste Gegenstände mehrfach täglich damit zu reinigen. Sollte es sich um das Noro-Virus handeln, so sei dieses "hochgradig ansteckender als beispielsweise Salmonellen", sagte die Gesundheitsstadträtin von Tempelhof-Schöneberg, Sybille Klotz (Grüne). Ein Händedruck genüge. Deshalb erwartete sie am Freitag weitere Nachrichten von Schulen über Infektionsfälle.

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