Mahnwache in Berlin : "Hongkong: Respect Human Rights"

15 Hongkonger versammelten sich am Freitagmorgen zu einer Mahnwache vor der chinesischen Botschaft. In der Sonderverwaltungszone wird seit Wochen protestiert.

Laurence Gorodiski
Junge Hongkonger und ihre Unterstützer demonstrieren vor der chinesischen Botschaft.
Junge Hongkonger und ihre Unterstützer demonstrieren vor der chinesischen Botschaft.Foto: Paul Zinken/dpa

Es ist eine kleine Gruppe, die sich heute früh am Märkischen Ufer vor der Hausnummer 54 eingefunden hat. Mit ihren gelben Schutzhelmen, Brillen und Augenverbänden stechen sie heraus. Und das ist es was sie wollen. Herausstechen, auffallen. Auf ihrem weißen Banner steht: "Hongkong - Respect Human Rights" (Hongkong Respektiert die Menschenrechte). Angesichts der Massenproteste in Hongkong mit weit über einer Million Teilnehmern, wirkt diese Mahnwache im Vergleich winzig.

Dennoch sind die jungen Menschen nicht weniger überzeugt dabei als ihre Freunde in Hongkong. "We want to show China that the whole World is watching" (Wir wollen China zeigen, dass die ganze Welt zusieht.), erklärt eine junge Demonstrantin die ihren Namen aus Angst vor möglichen Repressalien nicht nennen möchte.

In der Tat ist die Gefahr einer öffentlichen Sympathiebekundung für die Hongkonger Proteste nicht zu unterschätzen. Die zurzeit in Berlin lebende Hongkonger Journalistin Didi Kirsten Tatlow berichtet von verbalen Attacken in social-media-Diensten wie Twitter, in denen man ihr androhe sie würde "Konflikt genießen" oder sie solle "gefälligst abhauen". Einige ihrer Kolleginnen erhielten sogar Vergewaltigungsdrohungen. Davon lasse Sie sich aber nicht einschüchtern, erklärt Tatlow.

Ähnlich denken auch die Protestler vor der Botschaft, die sich nicht abschrecken lassen, für ihre Sache einzustehen. Deren Sorge gilt indes vor allem der extremen Überwachung unter anderem bei den Demonstrationen in der Sonderverwaltungszone. "I would say 1984 is happening" (Ich würde sagen 1984 passiert), erklärt die Demonstrantin, die sich vor möglichen Repressalien fürchtet. Die Angst vor totaler Überwachung scheint auch für die Hongkonger die im Ausland leben allgegenwärtig. Weiterhin erklärt sie, dass sie die Haltung der im Ausland lebenden Chinesen traurig mache, da diese ihrer Meinung nach die Möglichkeit hätten eine differenziertere Haltung gegenüber den Protestlern in Hongkong einzunehmen.

Bekenntnis zur Demokratie

Erst am letzten Samstag, dem 17. August, kam es am Brandenburger Tor zu einer Begegnung zwischen Protestgegnern und Befürwortern. Felix Blind (31) und Caroline Sosat (33), beides Befürworter der Proteste in Hongkong, waren dabei. Sie beschreiben eine Szene in der chinesische Touristen auf die Hongkonger zugekommen seien und in sehr gebrochenem Deutsch sagten "Wir unterstützen Hongkong", scheinbar in der Angst sich auf Englisch oder chinesisch zu äußern, während chinesische Protestgegner so nahe waren.

Doch nicht nur auf Demonstrationen und in sozialen Netzwerken bekunden Protestbefürworter ihre Solidarität mit den Hongkonger Studenten. In größeren Städten wie Berlin und Hamburg sieht man immer wieder Sticker mit der Aufschrift "Befreit Hongkong". Diese werden jedoch von Protestgegnern oftmals wieder entfernt. Ungeachtet dessen machen die jungen Leute weiter. Sie wollen Hongkong in das Bewusstsein der Gesellschaft bringen und fordern von der Bundesregierung ein klares Bekenntnis zur Demokratie.

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