• Martin Sonneborn zum Erfolg der "Partei": "2014 wählten uns viele aus Verzweiflung, jetzt aus Überzeugung"

Martin Sonneborn zum Erfolg der "Partei" : "2014 wählten uns viele aus Verzweiflung, jetzt aus Überzeugung"

Die Satirepartei hat in Berlin fast fünf Prozent erreicht. Sonneborn will mit Vernunft und Transparenz im EU-Parlament als Fraktionsloser Einfluss gewinnen.

Martin Sonneborn und Nico Semsrott (r) während dem EU-Wahlkampf vor der Berliner Volksbühne.
Martin Sonneborn und Nico Semsrott (r) während dem EU-Wahlkampf vor der Berliner Volksbühne.Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Der Satiriker Martin Sonneborn war vor vier Jahren als erster Abgeordneter der "Partei" ins EU-Parlament in Brüssel eingezogen. Künftig könnte die Satirepartei sogar mit insgesamt drei Abgeordneten in Brüssel vertreten sein.

Herr Sonneborn, haben Sie mit 2,5 Prozent bundesweit und rund 4,9 Prozent in Berlin gerechnet?

Ehrlich gesagt, schon. Ich habe viele Reaktionen erhalten. In Berlin sind viele Leute auf mich zugekommen und sagten, dass sie die „Partei“ wählen würden. Darunter waren Leute, denen ich das nie zugetraut hätte, also Menschen über 60 Jahre, die 40 Jahre SPD gewählt hatten.

Warum wird die „Partei“ gewählt?

Es gibt zwei Gründe: 2014 wählten uns viele Menschen aus Verzweiflung, dieses Mal aus Überzeugung. Sie wussten, dass wir in Brüssel für Transparenz sorgen und Öffentlichkeit herstellen. Das sind zum Beispiel die steigenden Militärausgaben in Europa. Wir sind eine Partei, die vernünftige und humanistische Positionen hat, während andere nach Parteiräson agieren. Und es gibt Wähler, die mir sagten, sie seien den Wahlschein durchgegangen und hätten keine Partei gefunden, bei der sie guten Gewissens ihr Kreuz gemacht hätten.

Sie erhalten zwei oder sogar drei Sitze in Brüssel. Was machen Sie dann?
Ich hoffe, dass es im EU-Parlament zu drei großen Fraktionsgruppen kommt. Dann können wir von der „Partei“ und andere wie der Pirat, der auch ins EU-Parlament kommt, das Zünglein an der Waage spielen, zum Beispiel bei der Bestellung des Kommissionspräsidenten. In Ungarn gibt es die Partei des zweischwänzigen Hundes, eine sogenannte Spaßpartei, mit der wir Kontakte haben. Wir sind wahrscheinlich eine größere Gruppe von Fraktionslosen, die durchaus Ergebnisse beeinflussen können. Und ich bleibe Fraktionsloser. Mein Kollege Nico Semsrott wollte noch am Sonntagabend nach Brüssel fahren und dort mit meinem Büroleiter Dustin Hoffmann zusammentreffen. Ab Montag werden sie dann Fraktionsverhandlungen führen.

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