Berlin : Mauerkünstler verklagt Bundesregierung

Bemalte Segmente an UNO übergeben, ohne den Namen des Urhebers zu nennen

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Der Schadenersatzstreit um ein von Deutschland an die Vereinten Nationen verschenktes Mauerbild hat gestern den Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe beschäftigt. Das Berliner Landgericht hatte im Juni 2003 Ansprüche des in Berlin lebenden iranischen Künstlers Kani Alavi abgewiesen, der wegen einer Verletzung seines Urheberrechts 170 000 Euro Schadenersatz von der Bundesrepublik verlangt. Sein Anwalt machte nun vor dem BGH geltend, der damalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) habe 2001 das Bild als „Staatsgeschenk“ übergeben, ohne dabei den Namen des Künstlers zu nennen.

Das von Alavi 1995 bemalte Originalelement der Berliner Mauer stand ursprünglich am Leipziger Platz. Die drei bemalten Segmente waren in Berlin von Thierse symbolisch an den damaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan übergeben und im April 2002 bei der UNO in New York aufgestellt worden.

Alavi sieht seine Rechte verletzt, weil er beim Festakt in Berlin nicht als Urheber des Werks mit dem Titel „Ost-West-Dialog“ genannt worden sei. Zudem hätte die Bundesrepublik für die Übergabe des Bildes an die UNO seine Zustimmung einholen müssen. Das Landgericht betonte, dass es ähnlich einem Graffiti um „aufgedrängte Kunst“ gehe, also um die Bemalung eines Gegenstands in fremdem Eigentum. Da Alavi das Werk nicht signiert habe, habe er sich selbst nicht als Schöpfer namentlich zu erkennen gegeben. Wann der BGH sein Urteil verkündet, war bis Redaktionsschluss unklar. ddp

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