• Mehdorn will BER-Architekten zurückholen: Die alten Flughafenplaner könnten die neuen sein

Die Fachwelt hält die Kündigung für einen schweren Fehler

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Mehdorn will BER-Architekten zurückholen : Die alten Flughafenplaner könnten die neuen sein

Lässt sich die Schadensersatzklage problemlos zurückziehen?

Eine erneute Kooperation beider Seiten setzt den Rückzug der Klage voraus. Diese ist ohnehin offenbar nicht allzu vielversprechend. So heißt es in Fachkreisen, Schadensersatz sei in der Regel nur üblich, wenn Baufirmen entgegen ihrer Vertragszusage nicht termingerecht fertig werden. Ob dies auch für unzureichende Ingenieurleistungen bei der Bauüberwachung gelte, sei äußerst fraglich.

Warum wird die Kündigung der GMP-Architekten von vielen Experten kritisiert?

In der Fachwelt wird der Rauswurf heute überwiegend als „schwerer Fehler“ angesehen. Kein anderes Team der Baustelle habe diese so gut bis in alle Einzelheiten gekannt wie die Generalplaner. Durch die Trennung in einer „Nacht- und Nebelaktion“ seien wichtige Kenntnisse verloren gegangen, was den weiteren Baufortschritt harsch abgebremst habe.

Die Kritiker ziehen Vergleiche zur Medizin. Bei einer schwierigen Operation wäre es auch verheerend, den Chefoperateur wegzuschicken und den Strom abzuschalten.

Wie berechtigt ist die Kritik der Flughafengesellschaft am Büro Gerkan?

Die GMP-Planer sind architektonische Global Player. Sie entwarfen weltweit zahlreiche Großprojekte, gewannen erst kürzlich den Realisierungswettbewerb für das Nationale Messe- und Kongresszentrum in der chinesischen Stadt Tianjin. Nach Meinhard Gerkans Planungen wurde in Berlin bereits 1974 das sechseckige Tegeler Flughafengebäude gebaut. Später kamen andere Berliner Projekte wie das Tempodrom und die Rekonstruktion des Olympiastadions für die WM 2006 hinzu. Trotz all dieser Leistungen warnen Kritiker jedoch davor, das Büro „zu verherrlichen“. Meinhard von Gerkan und sein Team seien dafür bekannt, dass sich die Kosten ihrer Berliner Projekte in der Bauphase kräftig erhöhen würden. Am 2001 eröffneten Tempodrom hatten sie sich mit 33 Millionen Euro fast verdoppelt. Auch der von GMP entworfene Hauptbahnhof wurde erheblich teurer und kostete am Ende eine Milliarde Euro.

Dass GMP offenbar auch in Schönefeld nicht den Überblick behielt, bestätigen zumindest auch die Aussagen am Bau beteiligter Firmen vor dem Untersuchungsausschuss im Abgeordnetenhaus. „Da haben wir von manchem Durcheinander erfahren“, sagt Ausschussmitglied Ole Kreins (SPD). In manchen Fällen seien doppelte Aufträge erteilt worden, beispielsweise für Kabelkanäle. Kreins: „Als das eine beauftragte Unternehmen anrückte, waren die Kabelschächte schon fertig. Diese Arbeiten hatte offensichtlich niemand in der Checkliste abgehakt.“

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