• „Mein ganz besonderes Sommermärchen“: Persönliche Erinnerungen an Christos Reichstagsverhüllung

„Mein ganz besonderes Sommermärchen“ : Persönliche Erinnerungen an Christos Reichstagsverhüllung

Vor genau 25 Jahren präsentierte das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude die Verhüllung des Reichstags. Unsere Autorin war damals schwanger. Eine Erinnerung.

Unsere Autorin im Sommer 1995 vor dem verhüllten Reichstag.
Unsere Autorin im Sommer 1995 vor dem verhüllten Reichstag.Foto: privat

Der Sommer 1995 bot für mich mein ganz besonderes Sommermärchen. Ich war schwanger – und hatte den schönsten Job, den man in diesen Tagen beim Tagesspiegel haben konnte.

Für die Berlin-Redaktion berichtete ich über das traumhafteste Projekt in der Stadt seit Langem, die Reichstagsverhüllung des Künstlerpaars Christo und Jeanne-Claude.

Von den Verhüllungsaktionen war ich begeistert, seit ich Anfang der achtziger Jahre in der Nationalgalerie eine Fotoausstellung über die „Surrounded Islands“ gesehen hatte. Damals hatte Christo Inseln in Florida mit pinkfarbenem Stoff umrandet. Es sah spektakulär aus.

1985 verhüllte er in Paris den „Pont Neuf“. Als die ersten Diskussionen um das Reichstagsprojekt begannen, dauerte es ein wenig, bis das redaktionelle Interesse geweckt war. Christo war schon Jahre vorher dabei, unermüdlich für sein Projekt zu werben.

Im Januar 1993 war er sogar Gast bei einer Party aus Anlass der skandalumwitterten Berliner Olympiabewerbung. Dort fragte ich ihn, ob er nicht das Olympiastadion verhüllen wolle, wenn es mit dem Reichstag nichts werde. Die Antwort: „The Reichstag or nothing.“

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Während Berlins Olympia-Ambitionen krachend scheiterten, war das Kunstprojekt erfolgreich. Heute genau vor 25 Jahren war der Reichstag komplett mit der silbernen Stoffhülle umgeben, so wie es Christo und Jeanne-Claude geplant hatten. Und sollte es zwei Wochen lang bleiben.

Ich durfte viele Stunden meiner Arbeitszeit dort verbringen. Es war wirklich der schönste Job im Tagesspiegel. Eigentlich wollte Christo im Jubiläumsjahr kommen. Leider wurde daraus nichts. Er starb am 31. Mai in New York.

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