Meine Woche (134) : Demonstration

Der Syrer Ahmad Al-Dali, 26,ist seit Mai 2015 in Berlin. Hier erzählt er, wie ihm die Stadt begegnet.

Ahmad Al-Dali
Newcomer Ahmad Al-Dali.
Newcomer Ahmad Al-Dali.Photo: Georg Moritz

Ahmad, wie war Ihre Woche?

Am Sonntag war ich bei einer der vielen Gegenproteste zur AfD-Demo. Wir hatten zunächst gescherzt, ob wir uns undercover bei der AfD untermischen sollten, das schien aber doch riskant.

War die Stimmung gut?

Ich habe mich zwischen all den AfD-Gegners wahnsinnig sicher gefühlt. Und der Sonntag hat klar gezeigt: Die AfD repräsentiert die Minderheit der Gesellschaft. Sie führt sich nur immer auf, als stünden alle hinter der Partei – unser Land, unsere Frauen. Was mich durchaus irritiert hat, waren einige Polizisten, die eine dunklere Hautfarbe hatten. Die müssen das Demonstrationsrecht der Menschen schützen, von denen sie beleidigt werden.

Haben Sie denn unter den Demonstranten viele Menschen mit Migrationshintergrund entdecken können?

Nur vereinzelt. Es gab wohl vorher einen Aufruf per Whatsapp, am Sonntag lieber zu Hause zu bleiben, weil die AfD durch die Straßen ziehe. Das könnte ein Grund gewesen sein.

Finden Sie, dass Flüchtlinge bei solchen Demos mehr Präsenz zeigen sollten?

Das ist eine gute Frage. Wo zieht man da eine Grenze? Es gab zum Beispiel viele Hungerstreiks, mit denen Flüchtlinge für ihre Rechte protestierten. Ich bin da zurückhaltender. Als die Gegendemonstrationen „Refugees are welcome here“ – „Flüchtlinge sind hier willkommen“ – gerufen haben, habe ich trotzdem nicht mitgerufen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich das Recht dazu hatte. Meine Freunde haben dann später gemeint, dass ich lange genug hier lebe, um mitzurufen. Für Geflüchtete ist es schwer, einen politischen Standpunkt zu beziehen und ihn zu zeigen. Das heißt aber nicht, dass sie sich nicht damit auseinandersetzen sollten. Sie sollten die unterschiedlichen Ansichten der Parteien auf jeden Fall kennen.

Welches Wort geben Sie uns heute mit?

Demonstration. Das heißt Mozahara.

Die Fragen stellte Helena Wittlich.

* Meine Woche

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