Meine Woche (137) : Es reicht

Der Syrer Ahmad Al-Dali, 26,ist seit Mai 2015 in Berlin. Hier erzählt er, wie ihm die Stadt begegnet.

Ahmad Al-Dali
Newcomer Ahmad Al-Dali.
Newcomer Ahmad Al-Dali.Photo: Georg Moritz

Ahmad, was gibt es Neues bei Ihnen?

Nicht viel. Wissen Sie, dass ich langsam berühmt werde? Dreimal wurde ich bereits vom Fernsehen für ein Interview angefragt. Ich habe aber abgelehnt – ein Interview pro Woche reicht.

Es wird ja gerade wieder viel über Flüchtlinge gesprochen, obwohl viel weniger nach Deutschland kommen als vor drei Jahren. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Horst Seehofer streiten sich über eine einheitliche Asylpolitik...

Seehofer sollte man feuern. Und den Deutschen muss klar werden, dass sie mehr junge Arbeitskräfte brauchen. Warum lässt man die Menschen nicht einfach kommen und hier arbeiten? Das verstehe ich nicht.

Ebenfalls viel diskutiert in der Politik ist das Thema Integration. Was kann ein Land tun, damit Menschen sich besser integrieren?

Es könnte damit anfangen, den Asylprozess zu beschleunigen. Einige Bewerber warten Jahre auf ihre Bescheide. Die Ungewissheit macht es wahnsinnig schwierig, sich zu integrieren, die Sprache zu lernen, neue Menschen kennen zu lernen. Andererseits brauchen wir mehr Sozialwohnungen.

Das sind Aufgaben der Politik. Was kann der Einzelne tun?

Eine Menge. Wer sich integrieren soll, muss sich zu Hause fühlen. Das ist natürlich ein Prozess. Es würde schon helfen, es den Leuten nicht unnötig schwer zu machen. Viele könnten einfach mal aufhören, sich über Flüchtlinge allgemein zu beschweren zum Beispiel. Ein Land mit 80 Millionen Einwohnern redet seit Jahren nur noch über die zwei Millionen Menschen, die neu in das Land gekommen sind. Das wundert mich auch sehr an der deutschen Politik. Es geht nur um Flüchtlinge. Ich würde gerne mal hohe Politiker fragen, warum sie die anderen Menschen im Land vergessen. Deswegen ist der Begriff dieser Woche auch „Es reicht“. Das heißt auf arabisch Bekafi.

Die Fragen stellte Helena Wittlich.

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