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Merkel wird Ehrenbürgerin von Templin : „Die Mutter von Angela Merkel hat sich sehr gefreut“

Die Bundeskanzlerin ist jetzt Ehrenbürgerin ihrer Heimatstadt Templin. Warum, erzählt Bürgermeister Detlef Tabbert.

Angela Merkel ist jetzt Ehrenbürgerin ihrer Heimatstadt Templin.
Angela Merkel ist jetzt Ehrenbürgerin ihrer Heimatstadt Templin.Foto: Virginia Mayo/AP/dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird Ehrenbürgerin ihrer Heimatstadt Templin (Uckermark). Das entschieden die 29 Templiner Stadtverordneten am Mittwochabend. Es sei für die Stadt eine Ehre, dass Merkel als bedeutende Persönlichkeit, erste Bundeskanzlerin und erste aus Ostdeutschland stammende Regierungschefin ihre Kindheit in Templin verbracht habe, hieß es zur Begründung. Auch sei sie der Stadt in der Uckermark weiterhin eng verbunden. Der Tagesspiegel sprach darüber mit Templins Bürgermeister Detlef Tabbert.

Herr Tabbert, warum Frau Merkel Ehrenbürgerin wird, wurde hinreichend begründet. Aber warum wird sie es erst jetzt?

Eigentlich war ein entsprechender Vorschlag der Templiner Unternehmervereinigung bereits vor zwei Jahren an die Stadtverordneten herangetragen worden. Damals hieß es aber aus dem Kanzleramt, das sei in Wahlkampfzeiten keine gute Idee und deshalb wurde es bis jetzt verschoben.

Vor zwei Jahren war es nach immerhin schon 15 Jahren Kanzlerschaft doch aber auch schon reichlich spät, oder?

Ja, vielleicht. Aber früher ist einfach keiner auf die Idee gekommen. Das mag daran liegen, dass es in der Stadt im Tagesgeschäft immer andere Probleme gab. Oder daran, dass Frau Merkel und ihre Eltern immer sehr bescheiden auftraten. Und es ist ja nicht so, dass wir ständig die Ehrenbürgerschaft verleihen. Seit 1945 ist das erst das dritte Mal – nach dem Landrat Richard Bröse sowie der Heimat- und Mundartschriftstellerin Erna Taege-Röhnisch.

Sie sind Mitglied der Linken. Haben Sie kein Problem mit der Politik der Kanzlerin?

Gewürdigt wird ja ihr gesamtes Lebenswerk – und damit bin ich durchaus einverstanden. Ich finde, dass sie in den 13 Jahren ihrer Kanzlerschaft viele Krisen in Deutschland, Europa und der Welt im Interesse des Landes gemeistert hat. Das lag wohl auch ein wenig an ihrer, sagen wir mal, preußisch-norddeutschen Gelassenheit, die ein Merkmal ihrer uckermärkischen Heimatstadt ist.

Nicht alle Templiner sind mit der Ehrung einverstanden.

Das ist richtig, doch auch nicht ungewöhnlich. Noch am Tag der Entscheidung wurde mir ein Protestbrief mit 40 Unterschriften überreicht. Aber wir haben 16 300 Einwohner.

Und die Stadtverordnetenversammlung?

Da haben die Mehrheit der Abgeordneten und ausnahmslos alle Fraktionsvorsitzenden dafür gestimmt.

Auch die AfD?

Die hat bei uns keine Fraktion, sondern besteht nur aus einem Abgeordneten. Der stimmte natürlich dagegen, sonst hätte er sicher Ärger mit seiner Partei bekommen. Und in den sogenannten sozialen Medien gibt es natürlich auch die eine oder andere Hassmail.

Wie reagieren Sie darauf?

Ich versuche zu erklären, dass wir nicht die eine oder andere Entscheidung der Kanzlerin ehren, sondern ihr Lebenswerk und ihre gesamte Regierungszeit. Wobei ihre Haltung in der Flüchtlingskrise letztlich ihrem christlich-humanistischen Glauben entsprang. Auch ich bin der Ansicht, dass man Menschen nicht verhungern oder im Mittelmeer ertrinken lassen kann. Dass bei der Integration der Asylbewerber einiges im Argen liegt, ist eine andere Frage. Das bekommt auch Templin zu spüren.

Wer wird die Laudatio halten?

Wir sind noch auf der Suche, hoffen auf einen ehemaligen Schulkameraden. Es wird nach Absprache mit dem Kanzleramt in einigen Monaten eine Veranstaltung der Stadt dazu geben, bei der Angela Merkel eine Urkunde mit Unterschrift und Siegel überreicht wird. Es ist eine reine Ehrung ohne jegliche materielle Vorteile.

Hat sich die Kanzlerin schon bei Ihnen gemeldet?

Nein. Aber ihre Mutter, Frau Kasner, hat sich sehr gefreut. Sie ist nach all der teilweise unsachlichen und würdelosen Kritik an ihrer Tochter sicher froh über so eine positive Nachricht. Und sie freut sich auch, weil ihr verstorbener Mann als evangelischer Theologe und Pfarrer sich auch um das Lebenswerk von Richard Kirstein im Waldhof kümmerte. Der hatte sich vor hundert Jahren unter anderem für Waisen und Halbwaisen in Templin eingesetzt und war 1916 zum Ehrenbürger ernannt worden. So schließt sich wieder mal ein Kreis.

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Detlef Tabbert (57) ist seit acht Jahren Bürgermeister in Templin.

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