Soziale Wohnungswirtschaft mit guter Ausstrahlung

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"Mietshäuser Syndikat" will günstigen Wohnraum erhalten : Die Unbestechlichen

Nicht zuletzt wegen dieser Vernetzung untereinander stehen dem alternativen Wohnverbund sogar zwei Hausbanken zur Seite. Neben der Bochumer GLS, dem Marktführer bei den Alternativbanken, ist auch die DKB dabei, eine Tochterbank der BayernLB. Dort erhielten auch die neuen Hausbesitzer aus der Burgemeisterstraße ihren Millionenkredit. Aus Sicht der Bank ist das weniger abwegig, als es scheint. Im Grunde sei das ja „nichts anderes als jede andere private Baufinanzierung, nur eben gleich für 20 und mehr Leute“, erklärt Wilfried Brzynczek, der bei der DKB die Syndikatshäuser betreut. Deren „exklusives Netzwerk“ biete der Bank aber neben den Immobilien selbst noch „eine zusätzliche Sicherheit“. Tatsächlich ist bisher gerade mal ein Projekt gescheitert, das Risiko für die Bank also gering. Natürlich sei das „nicht gerade unser Hauptgeschäftsfeld“, sagt der Banker. „Aber wir leisten uns das“, denn eigentlich sei das „ein tolles Modell für die soziale Wohnungswirtschaft mit guter Ausstrahlung auf die umliegenden Quartiere.“

Nur wird es immer schwieriger, das umzusetzen, vor allem in Berlin. Diese Erfahrung macht der Berliner Architekt Bernhard Hummel, einer der rund 40 ehrenamtlichen Beraterinnen und Berater des Syndikats. Er und seine Kollegen sind zumeist die eigentlichen Partner für die Bank, weil sie vor dem Hintergrund langjähriger Erfahrung professionell kalkulieren, wie viel Kredit die Aspiranten tatsächlich stemmen können.

Jeden Monat fragen an die zehn neue Initiativen bei ihm und seinen Mitstreitern an, berichtet Hummel, der einst Häuser besetzte und selbst lange in einem Syndikatshaus in der Kreuzberger Oranienstraße wohnte. Aber nur jede zehnte Gruppe erreiche auch ihr Ziel, weil es immer schwieriger werde, bezahlbare Grundstücke oder Häuser zu finden, sagt Hummel. So gehe in Kreuzberg inzwischen „gar nichts mehr“. Dort seien die verfügbaren Häuser und Grundstücke „oft schon zwei oder drei Mal weiterverkauft worden, so dass die jetzigen Preise nur noch über den Verkauf teurer Eigentumswohnungen zu bezahlen“ seien.

Um ihre Form des sozialen Wohnungsbaus dennoch auch in den gefragten Zentren wie Berlin, Hamburg oder München voranzubringen, wäre das Syndikat deshalb auf politische Unterstützung angewiesen. Das würde sich auch DKB-Banker Brzynczek wünschen. Das Wichtigste sei naturgemäß, „dass Grundstücke und Häuser zur Verfügung gestellt werden“. Dabei gehe es nicht um Geschenke. „Die Leute wollen ja nichts umsonst, sie wollen nur nicht ausgebeutet werden.“

Die Chancen dafür sind in Berlin womöglich gar nicht so schlecht. Ephraim Gothe, SPD-Staatssekretär beim Bausenat, kennt das Syndikats-Modell gut. „Wir können froh sein, dass es Leute gibt, die so was entwickeln“, meint er. Das sei zwar „mit hohen sozialen Anforderungen verbunden“, die nicht jeder erfüllen könne. Aber gerade in Berlin gebe es „sehr viele Menschen, die in Gemeinschaften selbst verwaltet leben wollen“.

Diesem Bedarf wolle der Senat auch Rechnung tragen, zum Beispiel bei der Vergabe der Grundstücke für die geplante Wohnbebauung am Rand des Tempelhofer Feldes. Ein Teil der Flächen dort werde über das „Konzeptverfahren“ ausgeschrieben, auf das sich auch nicht kommerzielle Initiativen bewerben könnten. Dabei werde der gebotene Kaufpreis nur ein Drittel der Bewertung für die Auswahl ausmachen. Wenn dann Gruppen aus dem Mietshäuser Syndikat „einen günstigen Mietschlüssel anbieten, dann hätten sie sicher ein großes Pfund“.

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