• Missglückte Hilfe in der Corona-Krise: Wie eine Moderatorin Kinderbetreuung anbot – und scheiterte

Missglückte Hilfe in der Corona-Krise : Wie eine Moderatorin Kinderbetreuung anbot – und scheiterte

Plötzlich arbeitslos geworden, will unsere Autorin Gutes tun und Kinder betreuen. Es kommt aber ganz anders als gedacht. Ein Gastbeitrag.

Aline von Drateln
Aline von Drateln.
Aline von Drateln.Foto: privat

So ist das also, wenn man überrollt wird. Erst von einer Epidemie. Dann von einer eigenen Idee.

Mir geht es dieser Tage wie so vielen Selbstständigen: Veranstaltungen werden abgesagt und mit Ihnen die Aufträge storniert. Für Kameraleute, Kulissenbauer, Maskenbildnern, Cutter oder eben Moderatoren. Meine Branche liegt brach.

Gleichzeitig ruft die Welt nach Ärzten und Pflegepersonal. Schmerzhaft wird uns bewusst, wer im Krisenfall verzichtbar ist. Lassen Sie mich durch, ich bin Moderatorin.

Ich hatte das aufrichtige Bedürfnis, etwas Sinnvolles zu tun in dieser absurden Zeit. Wirklich! Wie absurd die Zeit ist, erfuhr ich innerhalb von 24 Stunden.

Es fing an mit folgendem Tweet:

Mein kleiner Account von gut 1400 Followern lief heiß. 6000 likes waren es in den ersten 24 Stunden.

Retweets von Prominenten, Kommentare von mir Unbekannten und die Erkenntnis, dass ab einer gewissen Anzahl von „likes“ auch „dislikes“ folgen: Die „Bevorzugung von Pflegeberufen“ sei widerrechtlich, ich solle den Tweet ändern oder am Besten gleich löschen, Klagen wurden angedroht.

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Und eine andere TV-Frau folgte. Allerdings nicht mir, sondern nur meiner Idee, indem sie zwei Stunden später den gleichen Tweet veröffentlichte und dank ihrer 150.000 Follower noch viel, viel mehr „likes“ erhielt als ich. Ich ärgerte mich darüber. Und ich schämte mich dafür, dass mich das ärgerte.

Fürs Fernsehen spiele ich Mutter Corona 

In der Betreuungsfrage selbst ging es ruhiger zu. Es meldeten sich:  Zwei Mütter. Und vier Medienmenschen: Sat1 - die Akte, B.Z., das Sat1-Frühstücksmagazin und Zeit Online. Und schließlich sogar, wenn auch auf Umwegen, der Corona-Papst: Prof. Dr. Christian Drosten.  

Dieser wiederum riet nun genau von dem ab, was ich angeboten hatte: Es sollten auf keinen Fall Kinder zusammen kommen, die bisher nichts miteinander zu tun hatten. Dies würde den Virenpool und die Gefahr einer Übertragung der Krankheit auf Gruppen, die bisher miteinander nichts zu tun hatten, erheblich steigern.

Nun sitze ich also da. Doch mehr Medien- als Gutmensch. Muss den beiden Müttern, die sich gemeldet hatte, absagen. Fühle mich wie eine Blenderin. Und soll morgen den diversen Sat1-Teams eine Mutter-Corona-Show bieten.

Immerhin betreue ich dann wirklich Kinder, die im Hintergrund herumbalgen können.

Nur sind es keine von mir unbekannten alleinerziehenden Krankenschwestern, sondern Freunde meiner beiden eigenen Kinder.

Die Krankheit hatte einfach keine Zeit, sich auf die Medien einzustellen.

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