Mit Führungen und Veranstaltungen : Brandenburg feiert 750 Jahre Kloster Neuzelle

Den ganzen Sommer lang wird das Gründungsjubiläum des "Musterklosters" Neuzelle gefeiert. Auch die Zisterziensermönche sind wieder da.

Spirituelle Weitläufigkeit. Die Anlage der Stiftung von Kloster Neuzelle umfasst mehr als 11.000 Hektar.
Spirituelle Weitläufigkeit. Die Anlage der Stiftung von Kloster Neuzelle umfasst mehr als 11.000 Hektar.Foto: Patrick Pleul/dpa

Es ist einer der größten Schätze Brandenburgs, überaus opulent und barock, gebaut auf märkischem Sand. Nun wird im Kloster Neuzelle das 750. Gründungsjubiläum gefeiert – den ganzen Sommer lang. Ob Neuzelle noch ein Geheimtipp ist oder schon Touristenmagnet, darüber lässt sich trefflich streiten.

Einen Besuch wert ist die historische Anlage, südöstlich von Berlin gelegen und gut eineinhalb Autostunden entfernt bei Eisenhüttenstadt, allemal. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) meint, als nördlichstes Beispiel des süddeutschen und böhmischen Barocks in Europa sei „das Barockwunder Neuzelle noch viel zu wenig bekannt“.

Das von Heinrich III., Markgraf von Meißen, im Jahr 1268 gestiftete Kloster gilt als herausragende historische Anlage. Ab 1300 war das Kloster auf einem Bergsporn am Rande der Oderniederung erbaut worden. Die zunächst spätgotische Anlage wurde dann im 17. Jahrhundert nach böhmischem Vorbild barock umgestaltet. Nach der Wiedervereinigung übernahm eine Landesstiftung die Anlage. Mehr als 52 Millionen Euro flossen seither nach Neuzelle, um das Kloster originalgetreu zu restaurieren.

Heute ist es mit den beiden Barockkirchen, dem spätgotischen Kreuzgang, mit dem barocken Klostergarten, einem Weinberg, allerlei Kunstschätzen und Orangenbäumen eines der größten Denkmale Ost- und Norddeutschlands mit südlichem und leichtem Flair, ausgerechnet in Brandenburg, wo auf dem Land die historischen Backsteinbauten vorherrschen.

Ein Klassiker für Ausflügler

Für einen Besuch bietet das Festjahr nun allerlei Anlässe – mit zahlreichen Konzerten, Opernaufführungen, Ausstellungen, Installationen, Lesungen, Symposien, Festen, Märkten und Führungen. Insgesamt mehr als hundert Veranstaltungen sind geplant. Norbert Kannowsky, Geschäftsführer der landeseigenen Stiftung Stift Neuzelle, hofft auf mehr als 200.000 Besucher im Jubiläumsjahr – das sind doppelt so viele wie sonst.

Zugleich ist am Freitag in Neuzelle das Kulturlandjahr Brandenburg eröffnet worden. Ein Klassiker für Ausflügler – Kultur und Natur in einem. Die Klosteranlage ist für den Auftakt mit Bedacht gewählt worden. Kulturministerin Martina Münch (SPD) sagt: „Kloster Neuzelle ist Teil der europaweiten Expansion der Zisterzienser im Mittelalter und damit ein eindrucksvolles Beispiel für das grenzüberschreitende kulturelle Erbe Europas.“

Deshalb steht das Kulturlandjahr diesmal unter dem Motto: „Wir erben. Europa in Brandenburg – Brandenburg in Europa.“ Vor dem Hintergrund aktueller Herausforderungen in Europa und weltweit könne mit dem Programm auch „das Verbindende unserer gemeinsamen kulturellen Wurzeln und zugleich die kulturelle Vielfalt des Kontinents in den Blick“ gerückt werden, sagte Münch.

Und auch ein historisches Dokument kehrt zurück nach Neuzelle. Es geht um den Stiftsatlas aus dem 1758. Der gilt als wegweisende Publikation der Landvermessung des 18. Jahrhunderts. 200 Jahre lang war der Stiftsatlas nicht in Neuzelle, sondern wurde in der Berliner Staatsbibliothek aufbewahrt.

Zum Jubiläumsjahr wird noch etwas anderes gefeiert: die Wiederbesiedlung des Klosters. Gerade in Brandenburg ist das von besonderer Symbolkraft. Nach dem Dreißigjährigen Krieg bis 1648 wurde Neuzelle zum katholischen „Musterkloster“ – und das inmitten protestantischer Preußen. 1817 wurde das Kloster säkularisiert, Preußen trieb die Mönche fort und verstaatlichte die Anlage. Aber seit August vergangenen Jahres sind sie wieder da – vier Mönche vom österreichischen Stift Heiligenkreuz, zwei weitere kommen noch.

Und ausgerechnet hier im atheistischen Osten wollen sie das Kloster wiedergründen. Am 2. September soll es so weit sein. Derzeit stimmt die Landesregierung noch rechtliche Details mit dem Bistum Görlitz ab. Dabei geht etwa um das historische Kanzleigebäude des Klosters, in dem die Ordensleute wohnen sollen. Ihre gregorianischen Gesänge in der Klosterkirche, eine jahrhundertealte Tradition, sind schon wieder zu hören. (mit epd/KNA)

Weitere Infos unter: www.750jahre-klosterneuzelle.de www.kulturland-brandenburg.de

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