• Mit Stufenplan und Corona-App: Wie in Berlin die Rückkehr in Kitas und Schulen gelingen kann
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Mit Stufenplan und Corona-App : Wie in Berlin die Rückkehr in Kitas und Schulen gelingen kann

Was passiert nach dem 19. April? Grundschulverband und Kita-Träger machen dazu Vorschläge: Sie wollen mit kleinen Gruppen starten, die nur tageweise kommen.

Sechs Buchstaben und ein Haufen Probleme - immer wieder.
Sechs Buchstaben und ein Haufen Probleme - immer wieder.Foto: Arno Burgi/dpa

In der Diskussion um eine baldige Öffnung der Kitas und Schulen werden jetzt konkrete Vorschläge gemacht. Am Karfreitag meldete sich der Grundschulverband mit „Empfehlungen zu einer schrittweisen Öffnung“. Von Kitaseite wurden erstmals abgestufte Pläne vorgestellt. Dazu liegen dem Tagesspiegel Stellungnahmen von Trägern vor.

Der Grundschulverband plädiert - allerdings ohne ein konkretes Datum zu nennen - für einen „behutsamen“ Einstieg, da die Kinder „teilweise unbearbeitete Erfahrungen aus der Pandemie-Situation“ mitbringen werden. Eine Möglichkeit, das Infektionsrisiko einzudämmen, bestehe darin, die Kinder jeweils nur jeden zweiten Tag in die Schule zu lassen, „um in Halbgruppen und dadurch mit größeren räumlichen Abständen arbeiten zu können“.

In dieser Richtung gibt es auch schon Überlegungen im Senat. Bislang sind die Schul- und Kita-Schließungen bis zum Ende der Osterferien am 19. April befristet. Bislang ist völlig unklar, ob sie danach aufgehoben oder noch einmal verlängert werden: Entscheidungen dazu werden ab dem 14. oder 15. April erwartet.

Der Schulbeginn und die Pausenzeiten könnten über die Klassen hinweg gestaffelt werden, sodass nicht alle Kinder gleichzeitig auf dem Hof oder beim Essen seien, schlägt der Bundesverband vor, der von namhaften Grundschulforschern beraten wird.

Vorgeschlagen werden außerdem konstante Lerngruppen in festen Räumen mit derselben Lehrperson und ein Verzicht auf Raumwechsel für Fachunterricht. Auch sollten „unwesentliche Schulaktivitäten und Treffen“, wie Besprechungen im Lehrerzimmer, vermieden werden oder „digital gestützt“ stattfinden.

Hygienestandards "massiv erhöhen", auf Noten verzichten

Ebenso wie der Bundesverband der Erziehungsgewerkschaft GEW fordert der Grundschulverband die Kommunen auf, die Hygienestandards in den Schulen „massiv zu erhöhen“. Die Toilettenanlagen sowie Türklinken und Treppengeländer seien mehrmals am Tag zu reinigen und zu desinfizieren.

Zudem sollten zum Schuljahresende keine Noten erteilt werden, da die Lernergebnisse der Kinder in diesem Schuljahr noch mehr als sonst von der Förderung in den Elternhäuser abhängen werden.

Kitaträger plädieren für Ausweitung der Notbetreuung

Der Verband der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger (VKMK) sowie der Berliner Kitaträger Fröbel e. V. wollen mit konkreten Vorschlägen den baldigen Wiedereinstieg in den Kitabetrieb unterstützen. Beide raten dazu, die jetzige Notbetreuung, von der nur rund zehn Prozent der Familien und Kinder profitieren, auszuweiten.

Der VKMK plädiert dafür, in einem ersten Schritt ab dem 20. April auch Kinder aufzunehmen, die eingewöhnt werden müssen, sowie deren Geschwister. Zudem sollen Kinder berücksichtigt werden, deren beide Eltern in Vollzeit arbeiten oder deren Familien auf beengtem Wohnraum leben. Perspektivisch könne – je nach Ausbreitung des Coronavirus – nach frühestens zwei Wochen über die nächste Erweiterung der Notbetreuung befunden werden.

Rückkehrer erstmal nur zwei Tage pro Woche

Flankierend solle – als Beitrag zum „strukturellen Infektionsschutz“ – die erweiterte Betreuung so organisiert werden, dass Kinder, die schon jetzt täglich in der Notbetreuung sind, eine „eigene Kohorte“ bilden, also nicht gemischt werden mit Kindern, die dazukommen. Das sei etwa möglich, indem man die zusätzlichen Kohorten auf die Wochentage Montag/Dienstag und Donnerstag/Freitag verteilt und mittwochs eine große Reinigung einschiebt. Zudem müsse es getrennte Hol- und Bringzeiten geben.

Auch Fröbel e. V. möchte mit neuen Vorschlägen - möglichst ebenfalls ab dem 20. April - die Belastung von Familien reduzieren – vor allem jenen „mit vielen Familienmitgliedern in sehr kleinen Wohnungen“. Geschäftsführer Stefan Spieker verweist auf die Häufung von Kinderschutzfällen und zunehmende Fälle häuslicher Gewalt. Daher wolle auch Fröbel „alles dafür tun, einen Beitrag zu leisten, dass unsere Kindergärten möglichst schnell wieder geöffnet werden“.

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Um diese Entwicklung zu beschleunigen, plädiert Spieker dafür, mehr Gesichtsschutz einzusetzen. Mimik und Gestik seien zwar „gerade im Umgang mit kleinen Kindern“ wichtig, aber „wir wollen es in die Verantwortung unserer Teams legen, damit gut pädagogisch umzugehen, spielerisch diese Maßnahmen den Kindern zu erklären“, erläutert der Kitaträger. Lediglich Erzieherinnen, die Kinder unter drei Jahren betreuen, sollten keinen Gesichtsschutz tragen.

Kitaträger: Tracking-Apps "unbedingt notwendig"

Zudem hält Fröbel es für „unbedingt notwendig“, Tracking-Apps zur Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten zu nutzen. Fröbel sei aber durch die kürzliche Diskussion zur Masern-Impfpflicht „argumentativ gut vorbereitet“. Fröbel verfolgt daher das Ziel, „dass möglichst alle Beschäftigten und Eltern diese Tracking-Apps zum Schutz der Kinder und der Erzieherinnen und Erzieher nutzen“.

Spieker erwartet, dass die „überwiegende Mehrheit“ der Beschäftigten auf freiwilliger Basis „mit gutem Beispiel vorangehen und die App selber verwenden und auch den Eltern empfehlen wird“. Um die Risikogruppen im Erzieherdienst zu schützen, plädiert Fröbel dafür, dass für sie besondere Angebote der Sozialversicherungen wie Kurzarbeit, kurzfristige Zwischenverrentung bis zur Verfügbarkeit eines Impfstoffs oder neue Möglichkeiten der Frühverrentung ab einem Alter von 60 Jahren geschaffen werden. „Wir werden aber niemanden an der Arbeit hindern, wenn er oder sie gerne weiterarbeiten möchte“, betont Spieker.

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