Mobilität : Berlins erstes Fahrradparkhaus kommt

Am S-Bahnhof Zehlendorf entsteht ein Doppelstockparkhaus für Zweiräder, um chaotischen Zustände zu beenden. Bis Ende 2020 müssen Radfahrer sich gedulden.

Unübersichtliche Fahrradstellplätze wie am S-Bahnhof Yorkstraße sollen bald der Vergangenheit angehören.
Unübersichtliche Fahrradstellplätze wie am S-Bahnhof Yorkstraße sollen bald der Vergangenheit angehören.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Über Fahrradparkhäuser diskutiert Berlin ungefähr so lange wie über den Neubau eines Flughafens. Nun aber kommt tatsächlich Bewegung in das Thema – also bei den Fahrrädern. Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf hat am Montag die Ausschreibung für den Bau von vier Abstellanlagen an Bahnhöfen im Bezirk veröffentlicht – darunter ein Fahrradparkhaus am S-Bahnhof Zehlendorf.

An den S-Bahnstationen Wannsee und Mexikoplatz sowie am U-Bahnhof Krumme Lanke sollen die Anlagen ausgebaut werden mit herkömmlichen Bügeln und Doppelstockparkern, teilweise überdacht. Ab Februar soll geplant werden – Ende 2020 alles fertig sein.

Der große Wurf ist das nicht. Während in Kleinstädten wie Bernau nach hunderten Plätzen gerechnet wird, in der Schweiz oder Holland nach tausenden, vergrößert sich die Zahl der Plätze an diesen vier nicht ganz unwichtigen Bahnhöfen der Hauptstadt nur unwesentlich.

Chaos am Fahrradständer

So sollen in Wannsee 124 Plätze in Doppelstockparkern entstehen und 38 abschließbare Einzelboxen. Dafür werden auf dem Vorplatz die meisten Ständer abgebaut, weil dieser aus Sicht des Bezirks „unübersichtlich“ ist, aus Sicht von Bahnreisenden passt „chaotisch“ besser.

Am S-Bahnhof Zehlendorf soll an der Hampsteadstraße ein 10,5 Meter hohes vollautomatisches Parkhaus mit 120 Plätzen entstehen. Daneben entstehen 44 Bügel (für 88 Räder) und 144 Plätze in überdachten Doppelstockparkern.

Zehlendorf ist der Bahnhof, der von Anbeginn als möglicher Ort für ein Parkhaus genannt worden ist. Kein Wunder, der Parkdruck ist so immens, dass für Fußgänger kaum noch Platz bleibt, weil überall Räder wild abgestellt werden.

Hindernis Argentinische Allee

Am S-Bahnhof Mexikoplatz wird Platz für 150 Räder geschaffen, am U-Bahnhof Krumme Lanke etwa 100. An beiden Stationen verhindert der Denkmalschutz eine größere Lösung. So sollen am Bahnhof Krumme Lanke die meisten Ständer auf der anderen Straßenseite aufgestellt werden — „die historische Fassade darf nicht beeinträchtigt werden“, heißt es in der Ausschreibung.

Radfahrer müssen die vielspurige Argentinische Allee überqueren. Dass solche Entfernungen abschrecken, ist am Bahnhof Südkreuz zu besichtigen. Hunderte Fahrräder stehen wild vor den Eingängen, die 90 überdachten Bügel am Ballonfahrerweg sind nicht ausgelastet – weil sie sich 100 Meter vom Bahnhof entfernt befinden.

Die Ausschreibung verlangt, dass die abschließbaren Boxen und das Parkhaus so konstruiert werden, dass ein „übergreifendes Bezahlsystem“ nachträglich installiert werden kann. Vor allem die Besitzer teurer Räder – also sämtlicher Pedelecs – werden sichere Einzelboxen nutzen.

35 000 Fahrräder wurden 2016 gestohlen

Bislang hat nur in eine Privatfirma solche Boxen an den Bahnhöfen Lichtenberg, Karlshorst und Frankfurter Allee aufgestellt, zudem eine am Bahnhof Südkreuz. Der SPD-Abgeordnete Swen Schulz hatte eine Anlage am Bahnhof Spandau gefordert und den Grünstreifen zwischen Einkaufszentrum und Bahnhof als Standort vorgeschlagen. Auf der Wiese hätte der Transrapid fahren sollen.

In Berlin wurden 2016 fast 35 000 Fahrräder gestohlen, 255 davon am Bahnhof Zehlendorf. ADFC und Polizei empfehlen feste Bügel zum Abschließen – von denen es an fast allen Berliner Bahnhöfen nicht genügend gibt. In Bernau und Potsdam gibt es große, befahrbare Parkhäuser mit mehreren hundert Plätzen.

Und was macht der Senat? Er ist offenbar immer noch am Planen. Die damals noch SPD-geführte Verkehrsverwaltung hatte 2014 den Bau zweier Anlagen am Mexikoplatz und an der Krummen Lanke angekündigt. Später wurden Ostkreuz, Gesundbrunnen, Hauptbahnhof und Zehlendorf genannt. 2015 wurde beschlossen, eine „Strategie Fahrradparken“ zu entwickeln.

Strategie Fahrradparken: längst fertig?

Im Februar sagte Verkehrsstaatssekretär Jens-Holger Kirchner (Grüne), dass diese „längst fertig“ sei. Wer auf der Internetseite der Verkehrsverwaltung danach sucht, wird immer noch auf eine Broschüre aus dem Jahr 2008 geleitet. Auf Anfrage äußerte sich die Verkehrsverwaltung bis Redaktionsschluss nicht.

Mehr zum Thema

Auf Druck des Fahrrad-Volksentscheids ist im gerade vorgestellten Entwurf des Radgesetzes der Bau von drei Parkhäusern geplant, und zwar an den Bahnhöfen Gesundbrunnen, Ostkreuz und Zehlendorf. Hier hat nun der Bezirk die Initiative ergriffen.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

Autor

21 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben