Modernisierung des ÖPNV : 28 Milliarden für den Berliner Nahverkehr

Der Berliner Senat will Bus, Bahnen und Tram bis 2035 massiv ausbauen und modernisieren. Es soll mehr Expressbuslinien geben.

Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos), will kräftig in den Berliner Nahverkehr investieren.
Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos), will kräftig in den Berliner Nahverkehr investieren.Foto: Christoph Soeder/dpa

Der rot-rot-grüne Senat will in den nächsten 15 Jahren rund 28 Milliarden Euro für den Ausbau und die Modernisierung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ausgeben. Das teilte die Umwelt- und Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) am Donnerstag im Abgeordnetenhaus mit. In Spitzenjahren würde das eine Verdoppelung der bisherigen Investitionen des Landes Berlin im Verkehrsbereich bedeuten.

Die Verhandlungen über den neuen Nahverkehrsplan, dessen Projekte bis 2035 reichen und der auch eine engere Vernetzung mit dem Nachbarland Brandenburg im S-Bahn- und Regionalverkehr vorsieht, stehen offenbar vor dem Abschluss. Die Verkehrssenatorin muss sich mit dem Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) und der Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) einigen. Günther ist dafür optimistisch: „In Kürze wird der Nahverkehrsplan dem Senat vorgelegt“, kündigte sie in der Aktuellen Stunde des Landesparlaments an.

Das Berliner Mobilitätsgesetz, das Rot-Rot-Grün nach kontroversen Debatten vor einem Jahr beschlossen hatte, verpflichtet den Senat, Planwerke für den Rad-, Fuß- und Nahverkehr vorzulegen. Ein Entwurf für den ÖPNV wurde bereits im Sommer 2018 vorgelegt. Er sieht den massiven Ausbau des Straßenbahnnetzes um voraussichtlich 85 Kilometer vor. Unter anderem sollen die Trams zum Rathaus Steglitz, zum Hermannplatz und Zoologischen Garten fahren. Andere Linien werden verlängert, beispielsweise zum Hauptbahnhof und zum Ostkreuz.

Die Busflotte soll bis 2030 komplett elektrisch fahren

Bis 2035 sollen bis zu 477 Trams im Einsatz sein – das wären 40 Prozent mehr als heute. Die Busflotte soll bis 2030 komplett elektrisch fahren, teilweise mit Oberleitungen. Die Umstellung beginnt in diesem Jahr. Es soll mehr Metro- und Expressbuslinien geben und der Fahrtakt höchstens zehn Minuten betragen. Auf den wichtigsten U-Bahnstrecken plant die Verkehrsverwaltung eine Verkürzung auf etwa drei Minuten. Die überalterte U-Bahnflotte wird bis 2035 runderneuert und um 30 Prozent auf 1650 Waggons erweitert. Die Verlängerung von U-Bahnstrecken zum künftigen Wirtschafts- und Forschungszentrum am City-Flughafen Tegel (U6), zum Flughafen BER (U7) und ins Märkische Viertel (U8) wird zurzeit in Machbarskeitsstudien erkundet.

Für die S-Bahn wird ein landeseigener Fahrzeugpool aufgebaut, der allein über drei Milliarden Euro kostet. Bis 2033 werden mindestens 600 neue S-Bahnwagen gekauft, die ersten Fahrzeuge sollen 2026 rollen. Speziell auf dem Berliner S-Bahnring werden schon ab 2021 innerhalb von zwei Jahren neue S-Bahnzüge in Dienst gestellt.

Aktuell gibt das Land Berlin etwa 750 Millionen Euro jährlich für den Öffentlichen Personennahverkehr aus. „Für einen modernen und zuverlässigen Nahverkehr wollen wir die Investitionen in Bus, Bahn und Schiene verdoppeln“, sagte Wirtschaftssenatorin Pop dem Tagesspiegel. Sie ist auch Aufsichtsratschefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Pop erwartet, „dass alle Koalitionspartner bereit sind, mit uns gemeinsam den ÖPNV zu verstärken“. Finanzsenator Kollatz äußerte sich am Donnerstag nicht zum Stand der internen Gespräche. In einer gemeinsamen Sitzung befassen sich am Dienstag die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg auch mit der Verkehrsplanung für die Hauptstadtregion.

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