Mord in Mitte : Neuer Prozess um Tötung eines Imbissbetreibers

Vor dem Landesgerichts wird erneut der Mord an Saim K. verhandelt. Ein erstes Urteil wurde vom Bundesgerichtshof aufgehoben. Der Hauptverdächtige schweigt.

Der Bundesgerichtshof hebte das erste Urteil gegen den Verdächtigen V. auf.
Der Bundesgerichtshof hebte das erste Urteil gegen den Verdächtigen V. auf.Foto: dpa

Familienvater Engin V. war unter den Trauernden, die vor fast fünf Jahren auf einem Friedhof Abschied von Saim K. nahmen. Kurz darauf aber geriet er unter Verdacht. War es V., der den 55 Jahre alten Imbissbetreiber mit drei Schüssen und sieben Messerstichen tötete? Nein, entschieden die Richter in der ersten Instanz. Der Bundesgerichtshof aber hob den Freispruch auf. Engin V. steht seit Freitag erneut wegen Totschlags vor dem Landgericht.

Der 47-Jährige ist erwerbsunfähig und auf einen Rollstuhl angewiesen. So war es bereits zur Tatzeit. Dennoch soll er den Imbissbetreiber, bei dem seine Frau arbeitete, umgebracht haben. Möglicherweise aus Eifersucht. Es soll Streit gegeben haben. Weil gemunkelt wurde, dass K. und die Frau von V. seit Jahren heimlich ein Paar gewesen seien. Der 55-Jährige hatte in seinem Testament die kleine Tochter der Frau zur Alleinerbin bestimmt.

Drei Schüsse und sieben Messerstiche

Laut Anklage soll Engin V. am 14. Januar 2014 den vermeintlichen Rivalen in dessen Weddinger Wohnung attackiert haben. Erst habe er drei Schüsse abgefeuert, dann seinem Opfer mit einem Messer in den Hals gestochen. K. verstarb wenig später am Tatort.

Zwei Wochen später wurde V. festgenommen. Knapp acht Monate später lautete das Urteil auf Freispruch. „In der Wohnung wurde zwar etwas DNA des Angeklagten gefunden, aber das war eine schwache Mischspur“, befanden die Richter im ersten Prozess. Auch zum angeblichen Motiv gebe es keine klaren Erkenntnisse.

Neue Verhandlungen vor dem Landgericht

Den Bundesgerichtshof (BGH) überzeugte das Urteil nicht: Auf Revision von Staatsanwaltschaft und Nebenklage wurde es aufgehoben. Indizien seien isoliert betrachtet und nicht in ihrer Gesamtschau gewürdigt worden, hieß es unter anderem. Vor einer anderen Strafkammer des Landgerichts wird der Fall erneut verhandelt. Wieder schwieg Engin V.

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