Müllproblem in Berliner "Papageiensiedlung" : Müssen Anwohner bald selbst ran?

Die BSR will Mülltonnen in der Zehlendorfer Papageiensiedlung nicht mehr an die Hausfront stellen. Vor allem ältere Bewohner macht das ratlos.

Pauline Faust
Die Anwohner Volker Heinrich, Christa Heinrich und Hermann Bischoff zeigen die Gasse, durch die der Müllmann muss.
Die Anwohner Volker Heinrich, Christa Heinrich und Hermann Bischoff zeigen die Gasse, durch die der Müllmann muss.Foto: Pauline Faust

Wohin mit den Mülltonnen? In der denkmalgeschützten Waldsiedlung Zehlendorf sind die Anwohner ratlos. Sie haben Post von der Berliner Stadtreinigung bekommen. In dem Schreiben werden sie von der BSR dazu aufgefordert, ihre Tonnen, die hinter den Reihenhäusern stehen, in Zukunft selbst an die Hausfront zu bringen. Für viele der älteren Anwohner ist das körperlich nicht zu bewältigen. Das Schreiben der Stadtreinigung verärgert nicht nur die direkt Betroffenen, sondern beschäftigt auch die Denkmalschutzbehörde in Zehlendorf.
Bunter Anstrich, die richtigen Türen und Fenster: Wie die Häuser auszusehen haben, ist für das Baudenkmal der 1920er Jahre vorgeschrieben. „Papageiensiedlung“ wird sie wegen der verschiedenfarbigen Fassadengestaltung durch den Architekten Bruno Taut genannt. Seit 1995 ist die Anlage am U-Bahnhof Onkel Toms Hütte denkmalgeschützt. Auch die Vorgärten hat Taut genau geplant, und wo der Abfall gelagert wird: hinter den Häusern. So kann man die Häuserfronten ungestört betrachten.

Siedlung zählt zu den touristischen Highlights

Momentan stehen die Mülltonnen an Ausbuchten der Wirtschaftswege. Diese Wege verlaufen zwischen den Hintergärten der Reihenhäuser und sind für die BSR ein Problem: Nicht breit genug, zu schlecht beleuchtet und vor allem nicht ausreichend befestigt seien sie. Daher kündigt die BSR 300 Kunden den „Komforttarif“.

Das erzeugt wenig Verständnis in der Nachbarschaft: „Das hat jahrelang funktioniert“, sagt Anwohnerin Christa Heinrich. Sie ist in der Siedlung aufgewachsen und wohnt seit 30 Jahren mit ihrem Mann Volker Heinrich in einem der bunten Reihenhäuser. „Hier kommen regelmäßig Gruppen vorbei, um sich die Architektur anzuschauen“, erzählt Frau Heinrich. Die Siedlung ist auch ein Stopp auf der neu eröffneten Dahlem Route, zählt also zu den touristischen Highlights des Bezirks.

Die BSR bittet die Anwohner, die Tonnen in den Vorgarten oder eine frei erreichbare Fläche zu stellen. Um die Tonne vor ihre Tür zu stellen, müssten einige Anwohner sie über hundert Meter ziehen oder über Treppen durch ihr Haus befördern. Die älteren Anwohner schaffen das nicht.

„Auf den Bürgersteigen ist auch kein Platz für die Tonnen, an einer Stelle stünden dann 20 Stück“, sagt Herr Heinrich. Hermann Bischoff aus der Nachbarschaft ärgert, wie es zu dem Schreiben kam: „Mit uns wurde nicht gesprochen“. Anders als 2012, als nach einem Unwetter die Wege beschädigt waren. „Wir haben dann mit der BSR eine Begehung gemacht und uns wurde gesagt, was wir ausbessern müssen“, sagt Bischoff.

Es geht um Arbeitsschutz


BSR-Sprecherin Sabine Thümler begründet das Schreiben so: „Hier geht es um den Arbeitsschutz. Jeder unserer Mitarbeiter zieht täglich sieben Tonnen Müll.“ Man kontrolliere die Wege regelmäßig, „insbesondere wenn sich Mitarbeiter beschweren.“ Die Sorgen der Anwohner wurden schon an die Verwaltung herangetragen.

„Wir sind im Gespräch mit der BSR“, sagt Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU). Dass die Tonnen nicht in den Vorgarten gehören, habe man der Stadtreinigung vermittelt. Die Denkmalschutzbehörde hat für die Siedlung festgelegt, dass die „dauerhafte Platzierung von Mülltonnen im Vorgarten“ unzulässig ist.

Heißt das nun regelmäßiges Tonnenziehen? „Natürlich ist es nicht unser Ziel, dass ältere Anwohner die Tonnen selbst ziehen müssen“, sagt die Bürgermeisterin. Der Zustand des Wegbelags sei jedoch nicht mehr ausreichend. In einem Punkt ist die Verwaltung ganz anderer Meinung als die BSR: Nach ihrer Auffassung sind die Wege breit genug, und zwar 1,60 Meter. „Das sind nicht die benötigten 1,5 Meter“, heißt es dagegen von der BSR. Stadtreinigung und Verwaltung arbeiteten nun zusammen, erklärt Richter-Kotowski: „Wir suchen nach einer Lösung.“

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