Nach Absagen wegen der Coronakrise : Berliner Straßenfeste leben wieder auf

Mit Festen auf dem Breitscheidplatz und in Steglitz kehren die Schausteller in die Öffentlichkeit zurück. Die Branche will zeigen, dass es sie noch gibt.

Ihr Kinderlein kommet. Auf dem Breitscheidplatz steht schon ein Karussell bereit.
Ihr Kinderlein kommet. Auf dem Breitscheidplatz steht schon ein Karussell bereit.Foto: Cay Dobberke

Es wird wieder gefeiert – zumindest ein bisschen. Wegen der Coronakrise mussten die Berliner Schausteller unter anderem das Frühlingsfest und den „Berliner Volksfestsommer“ auf dem Zentralen Festplatz in Reinickendorf, die „Steglitzer Woche“ sowie das Oster- und das Spargelfest auf dem Charlottenburger Breitscheidplatz absagen.

Doch am kommenden Sonnabend beginnt dort, zwischen der Gedächtniskirche und dem Europa-Center, ein kleinerer „Sommermarkt“.

„Wir wollen uns präsentieren und zeigen, dass es uns noch gibt“, sagt Peter Schmitz. Er ist Eventmanager im Familienbetrieb von Michael Roden, dem Vorsitzenden des Schaustellerverbands Berlin.

Zwischen der Gedächtniskirche und dem Europa-Center vermiete man 17 Stände „weitgehend zum Selbstkostenpreis“, sagt Schmitz. Der kurzfristig geplante Markt sei ein „großes Risiko“. Roden investiere viel, und „wir wissen nicht, ob es klappt“.

Bis zum 12. Juli soll es kulinarische Angebote wie Eis, Crêpes, Bowle, Flammkuchen, Bruschetta und Currywurst geben. Kinder können ein paar Runden im Karussell drehen.

Bald folgen zwei weitere Feste

Weil der Bereich „übersichtlich“ sei, können die Abstandsregeln kontrolliert werden, glaubt Schmitz. Biergartenbänke und Lounge-artige Sitzecken stehen für die Gäste bereit.

Bei Veranstaltungen im Freien sind im Juni maximal 500 Besucher zulässig und ab Juli bis zu 1000. „Notfalls stellen wir die Bewirtung ein“, sagt Schmitz. Da es momentan kaum Touristen in Berlin gibt, rechnet er mit keinem Ansturm. Der Erfolg hänge davon ab, wie viele Berliner während der Ferien in der Stadt bleiben.

Die „Steglitzer Woche“ will der Schaustellerverband vom 3. bis zum 19. Juli als „Sommertreff“ in einem Park am Teltowkanal nachholen und weniger als die Hälfte der üblichen Fläche nutzen.

Der Unternehmerverein AG City und die Firma Bergmann Eventgastronomie kündigen ihren diesjährigen „Summer in the City“ auf dem Breitscheidplatz für den 31. Juli bis zum 16. August an. Laut Ordnungsamt läuft das Genehmigungsverfahren noch, weil „nicht alle Unterlagen vollständig eingereicht wurden“.

Aus einer Nachbarschaftsinitiative für Spielplätze entstand vor 14 Jahren der Verein „Family & Friends“ in Westend, der zweimal jährlich die Kunsthandwerkermärkte in der Preußenallee organisiert.

Wegen der Coronakrise musste die Veranstaltung im Frühjahr ebenso ausfallen wie ein erstmals geplanter Ostermarkt auf dem Karl-August-Platz. Der Wochenmarkt an gleicher Stelle durfte dagegen weiterhin stattfinden, weil er zur Lebensmittelversorgung beiträgt.

Große Volksfeste in fast allen Bundesländern bis mindestens Ende Oktober verboten

In den ersten Jahren hatte Family & Friends vor allem Flohmärkte organisiert. Das wäre derzeit zwar möglich, aber „zu Westend passt Künstlerisches besser als Trödel“, finden Claudia Scholtz und Stefan Piltz aus dem Vereinsvorstand.

Große Volksfeste bleiben in fast allen Bundesländern bis mindestens Ende Oktober verboten. Darauf haben sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsident(inn)en der Bundesländer in dieser Woche verständigt.

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Nur Sachsen will Jahrmärkte und Volksfeste ab dem Beginn der Sommerferien zulassen. In Bayern plant der Deutsche Schaustellerbund eine Klage vor dem Landesverfassungsgericht. Rechtliche Schritte seien auch in anderen Regionen denkbar, betonte Verbandspräsident Albert Ritter.

In Berlin müsste nach jetzigem Stand das Oktoberfest auf dem Zentralen Festplatz ausfallen. Das Deutsch-Amerikanische Volksfest findet ohnehin seit zwei Jahren nicht mehr statt.

Nach der Bebauung des alten Festplatzes in Dahlem und einigen Ortswechseln fehlt dem Veranstalter Thilo-Harry Wollenschlaeger ein Festplatz. Er möchte das Gelände des früheren Flughafens Tempelhof nutzen – doch der Senat lehnt Rummel dort strikt ab.

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