Lichtenberg, Neukölln, Spandau und Pankow

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Nach der Berlin-Wahl : Wer sind die neuen AfD-Stadträte?
Lisa McMinn

LICHTENBERG

Erst ausgebuht, jetzt ausgebootet – in Lichtenberg machen die „demokratischen Parteien“, wie sich die Allianz von SPD, CDU, Grünen und Linken nennt, der AfD den Job schwer. Die Vorsitzenden der „Altparteien“, wie die AfD die vier verbleibenden Parteien wiederum nennt, wollten sich am Freitag treffen, um die Ressortverteilung zu besprechen. Ohne die AfD. Denn gewählt wurde auch hier noch niemand. „Die Ressorts sind noch nicht ansatzweise vergeben“, sagt Camilla Schuler, Fraktionsvorsitzende der Grünen. Nur eins steht für sie fest: „Egal, welchen Kandidaten die AfD aufstellt, unsere Stimme kriegt keiner.“

Dass die AfD ausgerechnet Wolfgang Hebold aufgestellt hat, hatte Bürger und Bezirksverordnete schockiert. Der ehemalige Dozent verlor im Sommer gleich zwei Lehraufträge und einen Job, weil er seinen Studierenden ideologisierte Fragen gestellt haben sollte. Hebold bestreitet das, gegen die Kündigung der SRH Hochschule klagte er. Vor Kurzem einigten sie sich – worauf, darüber schweigen beide Seiten.

Nach wie vor ermittelt die Staatsanwaltschaft, denn Hebold soll Muslime beschimpft haben.

Ob der AfD-Mann genug Stimmen bekommt, wird sich wohl am 17. November zeigen, dann soll gewählt werden. Über eines sei man sich schon einig, heißt es aus Parteikreisen – mit Schule und Jugend soll die AfD nichts zu tun haben.

Wolfgang Hebold
Wolfgang HeboldFoto: Promo

NEUKÖLLN

Die AfD in Neukölln hat sich mit Bernward Eberenz einen Kandidaten ausgesucht, dessen Vita eher zu den Grünen passt: Musiker, Philosoph, Autor. Grün ist aber nur das Amt, dass der 54-Jährige übernehmen soll – Umwelt und Naturschutz sind für ihn reserviert. „Ich würde mich in diesem Amt wohlfühlen“, sagt Eberenz auf Anfrage, „ich halte das Ressort nicht für eine Benachteiligung, auch wenn es von den etablierten Parteien so gemeint war.“ Gewählt wurde Eberenz noch nicht, aus bürokratischen Gründen: Sein polizeiliches Führungszeugnis lag zur konstituierenden Sitzung noch nicht vor. Er habe es aber rechtzeitig beantragt, sagt er. So oder so – bis zum 16. November bleibt sein Büro leer, für diesen Tag ist der zweite Anlauf geplant.

Wird die AfD absichtlich kleingehalten? Ein vergleichbar winziges Ressort zu leiten, bedeute nicht weniger Verantwortung, sagt der Vositzende der SPD-Fraktion Martin Hikel: „Selbstverständlich spiegeln sich die politischen Gestaltungswünsche der Zählgemeinschaftsfraktionen im entsprechenden Ressortzuschnitt wider. Die AfD hat das schwächste Ergebnis der stadtratsstellenden Fraktionen erzielt. Hieraus lässt sich kein Anspruch auf ein großes Ressort ableiten.“

Das gilt für Neukölln. Doch in Lichtenberg oder Marzahn-Hellersdorf gehört die AfD zu den stärksten Fraktionen. Auf größere Ressorts können sie trotzdem nicht hoffen.

Bernward Eberenz
Bernward EberenzFoto: Privat

SPANDAU

Der Spandauer AfD-Stadtratskandidat heißt Andreas Otti. Seine Kandidatur steht schon seit Wochen fest. Die Spandauer AfD war sich schnell einig, dass der Luftwaffenoffizier ihr Mann wird. Doch jetzt wird Otti ausgebremst, denn so lange CDU und SPD sich noch streiten, muss die drittstärkste Fraktion warten. Die CDU hatte die Gespräche mit der stärkten Fraktion, der SPD, kürzlich für gescheitert erklärt.

Die SPD ist aber auf eine Zählgemeinschaft mit der CDU angewiesen, um wie bisher einen Bürgermeister stellen zu können. Sie haben noch bis zum 30. November Zeit, dann sollen hier alle Posten im Bezirksamt verteilt werden. Welches Ressort Otti zufällt, bleibt bis dahin offen.

Andreas Otti
Andreas OttiFoto: Promo

PANKOW

Die Bezirksverordnetenversammlung in Pankow ließ den AfD-Kandidaten Nicolas Seifert in ihrer ersten Sitzung durchfallen. Der Grund: Er war nicht rechtzeitig bei den anderen Parteien vorstellig geworden – bis zum Tag vor der Versammlung war er im Urlaub gewesen. Seifert, der erst im Frühjahr der Partei beigetreten war, kam kurzfristig zu seiner Kandidatur. Beworben hatte er sich eigentlich für einen anderen Job. Er wollte Landesgeneralsekretär werden und schickte dem AfD-Vorstand eine entsprechende E-Mail. Seifert, 42 Jahre alt, studierter Wirtschaftsingenieur, ist derzeit noch als IT–und Produktmanagementberater tätig. Er sah Parallelen seines Berufs zur Parteiarbeit.

Die Partei sah ihn wiederum im noch zu vergebenen Amt des Bezirksstadtrats in Pankow, und er nahm die Kandidatur an. „Ich arbeite mich mehrmals im Jahr in neue Organisationen ein“, sagt Seifert, „aufgrund meiner beruflichen Erfahrung bin ich gut für das Amt geeignet.“ Die anderen Parteien überlassen ihm nach bisheriger Planung sowohl das Ordnungsamt als auch das Umweltamt. Das bestätigte Bezirksverordnetenvorsteher Michael van der Meer (Linke). Auch die umstrittene Parkraumbewirtschaftung wird somit in Seiferts Aufgabenbereich fallen.

Bei CDU und FDP hat er sich mittlerweile vorgestellt, SPD und Grüne folgen. Nur der Termin mit der Linken steht noch nicht fest. Seine Wahl ist für den 16. November angesetzt. Dann wird auch der noch offene Posten der CDU im Bezirksamt vergeben.

Nicolas Seifert
Nicolas SeifertFoto: Privat
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