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Nach Gondelabsturz in Hessen : Firmen aus Berlin und Brandenburg im Visier

Im September war eine Wartungsgondel in Hessen abgestürzt, drei Mitarbeiter einer Berliner Firma wurden getötet. Nun geht die Polizei von Fremdverschulden aus.

Tanja A. Buntrock
Die im September in Eschwege in Hessen abgestürzte Wartungsgondel steht neben dem Sendeturm auf dem Hohen Meissner vor einem Tor.
Die im September in Eschwege in Hessen abgestürzte Wartungsgondel steht neben dem Sendeturm auf dem Hohen Meissner vor einem Tor.Foto: Uwe Zucchi/dpa

Sie wollten Anfang September eine neue Antenne auf einem Sendemast in Nordhessen montieren – doch die Routinearbeit endete tödlich für die drei Mitarbeiter der Berliner Firma „Turmbau Steffens & Nölle“ aus Marzahn. Zunächst war ein technischer Defekt als Ursache vermutet worden. Doch wie die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Kassel nun mitteilte, besteht der Verdacht auf Fremdverschulden. Im Visier sind die Berliner und eine Brandenburger Firma.

Wird nicht mehr von einem technischen Defekt ausgegangen

„Wir haben mittlerweile nach den Durchsuchungen Beweismaterial gesichert und können sagen, dass wir nicht mehr von einem technischen Defekt ausgehen“, sagte der Justizsprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft in Kassel, Andreas Thöne. Es hätten sich konkrete Anhaltspunkte ergeben, dass der Unfall möglicherweise auf ein Fremdverschulden zurückzuführen sei. „So könnten mehrere Umstände im Zusammenwirken zum Unfallgeschehen beigetragen haben“, sagte Thöne. Zum einen bestehe der Verdacht, dass die Drahtseilwinde der Gondelanlage falsch zusammengebaut war. Die Verantwortung dafür liege möglicherweise bei einer Wartungsfirma in Brandenburg. Zum anderen steht die Firma der verunglückten Mitarbeiter im Fokus. Die Gondelanlage habe möglicherweise so, wie sie aufgebaut und betrieben wurde, geltenden Sicherheitsanforderungen nicht entsprochen. Diesen Verdachtsmomenten werde nun weiter nachgegangen.

Drei Montage-Mitarbeiter der Berliner Firma wollten eine Antenne montieren

Die drei Montage-Mitarbeiter der Berliner Firma wollten am 3. September auf dem Berg Hoher Meißner eine Antenne auf einem der Sendemasten des Hessischen Rundfunks montieren. Für die Installation sollten die Männer in einer Gondel durch eine Seilwinde nach oben gezogen werden. Einer der Mitarbeiter hatte laut Staatsanwaltschaft zunächst den Dieselmotor der Winde vorgeglüht und gezündet, dann stiegen zwei Kollegen zu ihm in die Gondel und legten Sicherheitsgurte an. Doch in einer Höhe von 50 bis 80 Metern stürzte die Gondel plötzlich in die Tiefe. Die Insassen – ein 50-Jähriger aus dem bayerischen Landkreis Freyung-Grafenau, ein 46-Jähriger aus Karlsruhe und ein 27-Jähriger aus Dülmen (Nordrhein-Westfalen) – starben noch am Unglücksort.

Der Geschäftsführer der Berliner Firma „Turmbau Steffens & Nölle“ sagte dem Tagesspiegel: „Ich bitte um Verständnis, dass wir uns zu laufenden Ermittlungen nicht äußern.“ Die drei tödlich verunglückten Kollegen seien allen in der Firma persönlich bekannt gewesen, alle seien noch tief getroffen. Die Firma ist laut eigener Auskunft seit 100 Jahren auf Wartung und Instandsetzung von Antennenanlagen spezialisiert.

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