Nach Messerangriff : Szenegröße löste Tumult vor Spandauer Klinik aus

Der 42-Jährige, der am Wochenende mit einer lebensgefährlichen Stichverletzung in die Klinik kam, steht wegen Mordes in einem Wettcafé vor Gericht.

Ermittler im Januar 2014 am Tatort in Reinickendorf.
Ermittler im Januar 2014 am Tatort in Reinickendorf.Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Als Berlins Polizei am Wochenende berichtete, dass Angehörige und Bekannte eines niedergestochenen Mannes die Notaufnahme eines Spandauer Krankenhauses blockierten, vermuteten viele sofort: arabische Großfamilie. Dann wurde bekannt, dass die Angehörigen dieses im Milieu bekannten Spandauers den Tumult ausgelöst hatten. Auch sie gehören einer Großfamilie an, die allerdings aus der Türkei stammt und bislang deutlich seltener aufgefallen ist als die namhaften Clans aus Neukölln und Schöneberg, die aus dem Libanon einwanderten.

Der 42 Jahre alte Mann wurde als Szenegröße im Zusammenhang mit den Hells Angels bekannt. Zuerst hatte die „B.Z.“ darüber berichtet. Seit November 2014 steht der Mann mit zehn anderen Angeklagten wegen des Mordes am 26 Jahre alten Tahir Ö. vor Gericht. Ö. war im Januar 2014 in einem Wettcafé in Reinickendorf erschossen worden.

Als Szenegröße bekannt

Unstrittig ist, dass teilweise vermummte Hells Angels, die denselben Kiez um die Residenzstraße als ihr Revier beanspruchten, in das Café marschiert waren. Ein junger Mann aus der Kolonne erschoss Ö. nach wenigen Sekunden. Der örtliche Angels-Boss Kadir P. stellte sich der Polizei und sitzt mit einstigen Getreuen seitdem in Untersuchungshaft.

Der 42-jährige Mann aus Spandau sollte damals den Auftrag für die Tat gegeben haben, der Verdacht erhärtete sich nicht wie von den Ermittlern erwartet: Der Beschuldigte war nach zweieinhalb Jahren aus der Untersuchungshaft entlassen worden.

Auch unabhängig vom Prozess gegen die Hells Angels um Kadir P. haben sich im Milieu die Machtverhältnisse verschoben: Traditionelle, zuweilen deutschnationale Rocker spielen in der Rotlichtszene kaum noch eine Rolle – noch in den Neunzigern hatten die Männer um die Hells Angels-Dependance „Nomads“ den Strich an der Oranienburger Straße kontrolliert.

Auch diejenigen Rocker, deren Eltern einst aus der Türkei kamen, fallen allenfalls vereinzelt auf. Heute dominieren nach Köpfen und Präsenz die Männer arabischer Großfamilien das Rotlicht-Milieu der Stadt.

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