• Nach Streit zu Hause betrunken gefahren: Raser muss sich wegen versuchten Mordes verantworten

Nach Streit zu Hause betrunken gefahren : Raser muss sich wegen versuchten Mordes verantworten

Denis G. war unter Alkoholeinfluss durch Berlin gerast. Dabei verletzte er einen Rollerfahrer schwer - und flüchtete vom Unfallort.

Der Industriemechaniker flüchtete nach dem Unfall - jetzt muss er sich vor dem Landgericht verantworten.
Der Industriemechaniker flüchtete nach dem Unfall - jetzt muss er sich vor dem Landgericht verantworten.Foto: Soeren Stache/dpa

Mit bis zu 151 Stundenkilometern raste Denis G. durch Marienfelde – stark alkoholisiert und nach einem Streit mit seiner Frau frustriert. Er rammte schließlich einen Motorroller. Dessen Fahrer wurde schwer verletzt, Raser G. floh – obwohl der Roller wie aufgespießt im Kühler feststeckte. Rund elf Monate später steht G. vor dem Berliner Landgericht und spricht von einem Filmriss. Er habe sich „in einem emotionalen Ausnahmezustand“ befunden.

Der gelernte Industriemechaniker, den ein Gutachter als einen extrem kontrollierten Menschen beschreibt, muss sich seit Mittwoch wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung, verbotenem Kraftfahrzeugrennen, Gefährdung des Straßenverkehrs und Unfallflucht verantworten. Besonders rücksichtslos und unter „völliger Missachtung der wesentlichen Verkehrsregeln“ sei er gefahren, heißt es in der Anklage. Unter Billigung einer tödlichen Verletzung eines Zufallsopfers sei G. gerast – „um seinen Frust, seine emotionale Aufgewühltheit und Unzufriedenheit abzuladen“.

G. bat nun um Verzeihung. Jeden Tag frage er sich, wie es dem Rollerfahrer wohl gehe. Der 53-Jährige war gegen die Windschutzscheibe und dann auf den Asphalt geschleudert worden. Er erlitt mehrere Frakturen. Der Mann sei weiterhin arbeitsunfähig, so die Anklage.

Streitereien wegen seiner Wohnsituation hätten ihn aus der Fassung gebracht, so der Angeklagte. Er und seine Frau wollten sich ein Haus kaufen, doch ihr Budget habe nicht gereicht. Er habe es in ihrer damaligen Wohnung nicht mehr ausgehalten – „wegen der Ruhestörungen durch Nachbarn“, schilderte G. Als es am 17. Mai 2020 erneut zu einem Streit kam, habe er zur Wodkaflasche gegriffen.

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Erst stand er mit einem Messer in der Hand vor der Tür der angeblich lärmenden Nachbarn. Als nicht geöffnet wurde, ging er zu seinem 175 PS starken Wagen. „Ich nahm eine Machete aus dem Kofferraum und beschädigte vier Fahrzeuge“. Dann sei er gestartet.

Er habe den Roller an der Kreuzung Großbeerenstraße/Daimlerstraße an einer roten Ampel nicht gesehen. „Es gab einen Knall, dann bin ich wie in Trance weitergefahren.“ Die Flucht mit dem Roller, der sich in die Front des Autos gebohrt hatte, endete fünf Kilometer weiter. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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