Nach SUV-Unfall in der Invalidenstraße : Assistenzsysteme werden geprüft

Nach dem tödlichen Unfall mit einem SUV in der Invalidenstraße wird weiterhin untersucht, ob ein Defekt den Unfall verursacht haben könnte.

Die Anteilnahme am Unfallort in Mitte ist groß.
Die Anteilnahme am Unfallort in Mitte ist groß.Foto: Jörg Carstensen/dpa

Bei den Ermittlungen zum tödlichen Unfall mit einem SUV in der Invalidenstraße hilft die Porsche AG bei der Auswertung. Untersucht wird, inwiefern die Assistenzsysteme in Betrieb waren und ob sie den Unfall hätten verhindern können. Zwar gibt es bislang keinen Hinweis auf einen technischen Defekt, wie die Staatsanwaltschaft erklärte. Doch mithilfe des Unternehmens werde weiter untersucht, ob ein Defekt Ursache für den Unfall gewesen sein könnte.

Der Porsche Macan, mit dem der 42-jährige M. am 6. September auf der Invalidenstraße gegen einen Ampelmast gerast ist und vier Menschen in den Tod gerissen hat, verfügt über Assistenzsysteme. Darunter sind ein Abstandsregeltempostat und ein Bremssystem. Der Tempostat bietet sich auf längeren Strecken an, dabei regelt das Fahrzeug „abhängig vom Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug die Geschwindigkeit völlig selbständig“, wie es im Prospekt heißt. Daneben gibt es auch ein Bremssystem: Es erkennt drohende Kollisionen mit anderen Fahrzeugen oder Fußgängern.

Zunächst wird der Fahrer durch Signale und Warntöne im Fahrzeug gewarnt, danach kommt ein Bremsruck – und, falls der Fahrer gar nicht reagiert, eine Notbremsung. Wie ein Unternehmenssprecher sagte, kann der vom Fahrzeug eingeleitete Bremsvorgang bei drohenden Kollisionen durch den Fahrer gestoppt werden, wenn er Gas gibt. Damit signalisiert er dem Bordcomputer, dass er die Sache im Griff hat.

Porsche und andere Hersteller setzen auf Technik, die perspektivisch auch das autonome Fahren von Autos möglich machen soll. Der Unternehmenssprecher wies jedoch darauf hin, dass nach dem bisherigen Recht trotz vorhandener Assistenzsysteme der Fahrer weiterhin verantwortlich bleibt. Die Porsche AG drückte ihr „aufrichtiges Mitgefühl“ mit den Angehörigen der Opfer aus. „Der Unfall ist schrecklich und tragisch.“

Bei dem Unfall an der Kreuzung Invaliden-, Ecke Ackerstraße starben eine 64-jährige Frau, ihr drei Jahre alter Enkel und zwei Männer, ein Spanier, 28, und ein Brite, 29. Der SUV-Fahrer M. hatte zunächst zu dem Unfall geschwiegen. Sein Anwalt erklärte der Staatsanwaltschaft, dass ein „akuter medizinischer Notfall“ vorgelegen habe. Vor einer Woche durchsuchten Ermittler die Wohnung von M. auf Hinweise zu einer möglichen Epilepsie. Nach dem Unfall soll die 67-jährige Mutter des Unternehmers angegeben haben, dass er einen epileptischen Anfall gehabt habe. Die Frau saß als Beifahrerin in dem Wagen, auf der Rückbank saß ein Kind des Mannes.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung. Bei den Ermittlungen geht es jetzt um die Frage, ob der Mann nicht nur fahrlässig, sondern im festen Wissen um gesundheitliche Risiken vorsätzlich gehandelt haben könnte.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

24 Kommentare

Neuester Kommentar