Nach Zellenbrand in JVA Tegel : Häftlinge klagen Justizsenator an

Insassen der JVA Tegel erheben schwere Vorwürfe gegen den Justizsenator. Sie seien trotz massiver Rauchentwicklung bei dem Zellenbrand am Sonnabend nicht rechtzeitig aus ihren Zellen geholt worden.

Rundgang durch die Justizvollzugsanstalt (JVA) Seidelstraße in Berlin-Tegel.
Rundgang durch die Justizvollzugsanstalt (JVA) Seidelstraße in Berlin-Tegel.Foto: Thilo Rückeis

Insassen der Haftanstalt Tegel haben nach einem Brand am Samstagabend in einem Zellentrakt nun schwere Vorwürfe gegen das Personal und Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) erhoben. In einer über Twitter verbreiteten Erklärung wird den Justizbediensteten vorgeworfen, die Insassen trotz massiver Rauchentwicklung nicht rechtzeitig aus den Zellen geholt und damit ihr Leben in Gefahr gebracht zu haben. Daneben geht es um den Personalmangel und um angebliche „Handlungsunfähigkeit bei Gefahrensituationen“, für die Behrendt verantwortlich gemacht wird.

Konkret beklagen die Gefangenen, erst 55 Minuten nach Ausbruch des Feuers aus ihren Zellen geholt worden zu sein. Zudem seien sie trotz massiver Rauchentwicklung über die Sprechanlage aufgefordert worden, die Türritzen mit feuchten Handtüchern abzudecken, durch die bereits Rauch durchgedrungen sei. Einige Häftlinge seien in Panik geraten, hätten aus Verzweiflung aus den Fenstern um Hilfe geschrien. Tags darauf hätten einige über Atemprobleme geklagt.

Keine Rauchgasvergiftungen festgestellt

Behrendts Sprecher wies die Vorwürfe auf Tagesspiegel-Anfrage entschieden zurück. Tatsächlich seien die Gefangen auf derselben Ebene erst aus den Zellen geholt worden, als das Feuer gelöscht gewesen sei. Die Zellen in den Etagen darunter und darüber seien jedoch frühzeitig evakuiert worden. „Zu keinem Zeitpunkt war die Gesundheit durch Rauchgas in Gefahr“, sagte der Sprecher der Justizsenatsverwaltung.

Bedienstete und die anderen Gefangenen seien anschließend untersucht worden, bei niemandem sei eine Rauchgasvergiftung festgestellt worden. Nur eine Bedienstete sei am Sonntag mit Husten zum Arzt gegangen. Es sei bei dem Brand genau nach den vorgeschriebenen Sicherheitsplänen verfahren worden.

Wenn für die Gefangenen keine Gefahr bestehe, dann blieben sie in den Zellen. Die Haftanstalt sei keine Schule, die bei Alarm alle auf den Hof schicken könne. „Wir haben Sorge zu tragen, dass nichts passiert. Und das hat funktioniert“, sagte der Sprecher.

"Nicht unsere schwersten Jungs"

Der Häftling, der das Feuer gelegt hatte, war schwer verletzt worden. Er wurde mit schweren Verbrennungen in ein Krankenhaus gebracht worden und liegt dort auf der Intensivstation. Die Polizei ermittelt gegen ihn wegen Brandstiftung.

Der 34-Jährige hatte seine Zellentür von innen verbarrikadiert, daher konnten die Rettungskräfte das Feuer nicht sofort nach dem Eintreffen löschen. Die 13 anderen Insassen der Station in der Teilanstalt VI, wo laut Sprecher „nicht unsere schwersten Jungs“ sitzen, wurden auf andere Gebäude verteilt. Bei dem Feuer soll es sich um einen Suizidversuch handeln.

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