• Nachfolge von Klaus Wowereit: Michael Müller: "Berlin muss eine Stadt der Arbeit werden"

"Ich will, dass Berlin lebenswert bleibt"

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Nachfolge von Klaus Wowereit : Michael Müller: "Berlin muss eine Stadt der Arbeit werden"

Was wollen Sie denn durchsetzen als Regierender Bürgermeister?

Als Senator für Stadtentwicklung habe ich mich gleich nach Amtsantritt an die großen Zukunftsherausforderungen Berlins gemacht – das sind die Themen für morgen: Mehr Wohnungsbau und Mieterschutz, der solidarische Ausgleich in einer wachsenden Stadt. Eine nachhaltige und dezentrale Energiepolitik, die Förderung von Arbeitsplätzen durch moderne Industrien, wie in Tegel. Berlin muss auch eine Stadt der Arbeit werden. Und ich will, dass Berlin für die Menschen Heimat ist und lebenswert bleibt.

Mit dem Volksentscheid zu Tempelhof sind Ihre Pläne für den Wohnungsbau dort gescheitert. Was haben Sie daraus gelernt?

Ich habe gelernt, dass Politik und Verwaltung frühzeitig und offen ihre Ziele kommunizieren müssen. Und ich habe gelernt, dass es beim Volksentscheid nicht nur um Wohnungsbau ging. Es war auch eine emotionale Entscheidung. Die Bürger haben uns gesagt: Zu einer so einmaligen Stadt wie Berlin gehört auch eine so einmalige Grünfläche.

Hat Ihnen der Streit um Tempelhof nicht doch geschadet?

Nein. Und ich glaube immer noch, dass Berlin auch in guten Innenstadtlagen neue, bezahlbare Wohnungen braucht. Das habe ich immer offen und ehrlich vertreten und merke gerade jetzt, dass es anerkannt wird, wenn man für seine Position steht und streitet.

Herr Stöß wirbt mit strategischen Ideen, Herr Saleh mit seiner Biographie. Sie wollen also mit dem Wohnungsbau punkten?

Zuerst einmal werbe ich mit meiner Erfahrung. Ich denke, dass man einiges mitbringen muss, um eine Dreieinhalb-Millionenstadt zu führen. Vieles muss man lernen, auch in der Politik. Ich habe Parlaments- und Parteierfahrung und leite die mit Abstand größte Senatsverwaltung. Mit 2000 Mitarbeitern und einem riesigen Themenspektrum. Das hilft für die Arbeit als Regierender Bürgermeister.

Welche Art von Bürgermeister braucht Berlin jetzt, nach Klaus Wowereit?

Es ist fantastisch, wie er Berlin auch international positioniert hat. Die Mentalität und Offenheit der Stadt wird überall geschätzt, wir sind auch wirtschaftlich gut vorangekommen. Trotzdem gibt es noch viel zu tun. Da können die Bürger erwarten, dass sich die Regierung mit großer Verlässlichkeit den Problemen zuwendet. Berlin verändert sich rasant und es wird immer wichtiger, das soziale Zusammenleben vernünftig zu organisieren – mit Blick auf die Menschen, auch auf ihre Sorgen vor Veränderungen.

96 Ortsteile, 96 Bilder, 100 Prozent Berlin
Neukölln, Ortsteil Neukölln. Große Güte, was sollen wir denn noch schreiben über Neukölln? Ach, zeigen wir lieber die besten Bilder aus dem hippen/dreckigen/juten, alten Neukölln (je nach Alter und Herkunft).Und stellen zwei knifflige Fragen: In welchem Ortsteil steht das Karstadt am Neuköllner Hermannplatz? Genau, in Kreuzberg (der Bürgersteig ist die Grenze, das überragende Dach gehört zu Neukölln). Und wer sind die beiden Figuren in der Mitte? Das "tanzende Pärchen" steht dort seit den 80ern, erschaffen wurde es von Joachim Schmettau und drehte sich früher sogar mal. Moment: Joachim Schmettau ... Schmettau? Ja, genau, das ist auch der Mann vom markanten Wasserklops am Europa-Center.Weitere Bilder anzeigen
1 von 96Foto: Kitty Kleist-Heinrich
14.01.2016 08:38Neukölln, Ortsteil Neukölln. Große Güte, was sollen wir denn noch schreiben über Neukölln? Ach, zeigen wir lieber die besten...

Sind in einer Stadt, die so schnell wächst, noch alle Probleme elegant lösbar? Wie ist es mit den Touristen in Kreuzberg? Oder mit den Clubs in Häusern, in denen die Bewohner nicht mehr schlafen können?

Man darf nicht allen alles versprechen, das wäre unseriös. Es wird enger in der Stadt, die Konflikte nehmen zu. Auch deshalb sollten wir die an die Freiräume und das Einzigartige, was die Stadt auch ausmacht, für Berlin bewahren und behutsam rangehen. Und zu den Clubs: Es wäre doch furchtbar, eine staatlich verordnete Clubszene zu haben. Sie organisiert sich selbst, und Nutzungskonflikte werden ausgetragen. Ich werbe dafür, dass wir Räume für die dynamische Clubkultur bereithalten – notfalls auch mal außerhalb des S-Bahnrings, wie das neue Kiki Blofeld in Oberschöneweide.

Ist Sparen, bis es quietscht, vorbei?

Sparen, konsolidieren, investieren. Nur so lassen sich Spielräume schaffen für die wachsende Stadt. In die alte Mentalität des Verschuldens und der unkontrollierten Ausgaben darf Berlin nicht zurückfallen. Es ist Klaus Wowereit hoch anzurechnen, dass er diesen Mentalitätswechsel durchgesetzt hat.

Was ärgert Sie an Berlin am meisten?

Manchmal mangelndes Selbstbewusstsein. Aus der Hauptstadtfunktion könnte man noch mehr machen, wir müssen uns nicht hinter anderen Städten verstecken, wir können selbstbewusst sein. Und mich ärgert diese Mentalität des Wegguckens, auf die man hier und da trifft. Das gilt etwa für den Dreck auf Straßen und in Parks. Alle Bürger sind mitverantwortlich dafür, wie ihre Stadt aussieht. Viele engagieren sich ja schon.

Die Berliner ärgert vor allem der BER.

Das lässt sich auch nicht schön reden und der Flughafen muss, so schnell es geht, an den Start gehen. Der BER-Aufsichtsrat sollte dafür in seiner Bau- und Finanzkompetenz deutlich verstärkt werden.

Gehen Sie in den Aufsichtsrat, wenn Sie Regierender Bürgermeister werden?

Ja. Wer Verantwortung für dreieinhalb Millionen Menschen übernehmen will, kann nicht sagen, das mit dem Flughafen ist mir zu kompliziert. Welche Rolle ich im Aufsichtsrat übernehmen würde, und was unterstützend dazu kommen könnte, wird sich zeigen.

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