Je beschissener die Lage, desto wichtiger der Schwung

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Nachruf auf Christoph Janz (Geb. 1961) : Zuverlässig: Tingeltangel
Christoph Janz als Robby Heim
Christoph Janz als Robby HeimFoto: Daniela Incoronato

„Damit war“, so sagt es Christiane, „der Wahnsinn der folgenden Jahre vorgezeichnet.“ Sie halten den neuen Menschen, Lilly, in Händen, sind glücklich wie nie. Und wissen, dass in Christophs Kopf der Tod wuchert.

Wut und Lust, Glück und Verzweiflung, alles so dicht beieinander, zwölf Jahre lang. Bestrahlung, Reiki, Operationen, Quacksalberei: Christoph lässt nichts unversucht. Soll er diese schöne Welt, in der man die Leute zum Lachen bringen kann und sieht, wie die Tochter Lilly groß wird und anfängt, wie er die Leute zum Lachen zu bringen, soll er diese Welt denn schon jetzt verlassen? So lange und so oft, wie es geht, steigt Christoph noch auf die Bühne, singt das Lied vom „Urlaub am Meer“, reckt den Bauch raus und schwingt die Hüften und hofft, dass das Publikum nicht merkt, wie es um ihn steht.

Eine Dokumentarfilmerin, die von seiner Krankheit weiß, sieht ihn auf der Bühne und will einen Film über ihn machen. Es wird ein Film über seine kleine Familie, „Verliebt ins Leben“. Da besuchen ihn an seinem 47. Geburtstag Christiane und Lilly im Krankenhaus. Sie laufen über die Flure, die Tür öffnet sich, sie halten eine „Happy-Birthday“-Girlande hoch. Da steht er, mal wieder frisch operiert, lädiert, er sieht die beiden – und führt einen kleinen Tanz auf. Er schwingt die Hüften, weil auch das sterilste Krankenhaus eine Bühne ist, eine Bühne sein muss. Je beschissener die Lage, desto wichtiger der Schwung.

Ein Arzt bespricht mit ihm die Zukunft seines Sprechvermögens, er kriegt das G nicht mehr richtig raus, und er sagt, dass das G doch so wichtig ist, etwa bei einem seiner Lieblingsreime

Muss ich erst vor Gier beben,
bevor die mir ein Bier geben?

Bei seiner Beerdigung erzählt Christiane, wie schließlich doch noch ein Buch aus seinen Reimen entstand. Er selbst hat nur immer davon erzählt, im Pläneschmieden war er gut. Gemacht haben es dann die Frauen. Wie stolz er war, als er es vor einem Jahr in der Hand hielt, obwohl er die Buchstaben kaum noch erkennen konnte.

Hinterher ist man immer schlauer,
Doch manchmal kommt’s noch schlimmer – aua!

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