Nachts in Prenzlauer Berg : Wenn die Straßen der Stadt mal leer sind

Leere Straßen in Berlin? Selten der Fall. Unsere Autorin radelt auf dem Weg zur Videothek nachts beglückt durch die Stadt. Eine Beobachtung.

Unsere Autorin freut sich über leere Straßen in der Nacht.
Unsere Autorin freut sich über leere Straßen in der Nacht.Foto: stock.adobe.com

Mist! Ich habe Romy Schneider vergessen. Sie liegt auf dem Wohnzimmertisch – und das schon seit gestern. „3 Tage in Quiberon“, der Film über das legendäre Interview, das die berühmte Schauspielerin im Frühjahr 1981 dem Stern-Reporter Michael Jürgs gegeben hat. Der Journalist ist vor wenigen Tagen gestorben und vielleicht war die Nachricht von seinem Tod der Grund, warum ich am Freitagabend in der Videothek nach diesem Film griff. Jetzt ist Sonnabend und der Film immer noch hier. Und kostet.

Der Filmverleih an der Danziger ist noch offen, ich springe aufs Rad. Die meisten Restaurants in meiner Ecke haben geschlossen, es sind noch zwanzig Minuten bis eins. Still stehen die Stühle vor den Kneipen, sicher verbunden durch Stahlkabel, an manchen Ecken rieche ich noch die Geselligkeit des vergangenen Abends.

Die Kollwitzstraße ist fast leer, sie erinnert an die Fotos von Jürgen Hohmuth aus den 80ern im Prenzlauer Berg: kaum Autos. Heute liegt das am Markt, der die Straße jeden Sonnabend bis zum frühen Abend für sich beansprucht. Und an den Ferien. Wenn ich wollte könnte ich auf der breiten Straße Slalom fahren, so viel Platz habe ich. Ganz ruhig ist der Kiez, wie verlassen.

Die Nacht gehört mir

Erst an der Danziger regt sich wieder Leben, hier wird vor dem Späti gelacht, geredet und getrunken. Ich kann es gar nicht erwarten, die Rückfahrt anzutreten. Der Effekt wiederholt sich: Diese Nacht gehört mir, denke ich übermütig und würde gerne freihändig fahren können. Vor lauter Glück verlängere ich meine Runde, drei Mal um den Platz, in die Nebenstraßen, ein großer Bogen und zurück.

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Und immer noch ist es so still, als wäre ich am Ende der Welt. Ein Berlkönig rollt vorbei, fast hätte ich gegrüßt. Dass der Mond es nun, gegen eins, über die Dächer schafft, passt ins Bild. In drei Tagen ist er voll und leuchtet schon mal vor. Ich schaue in den Himmel und stelle mir vor, wer sich dort gerade begegnet.

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