Nachverdichtung im Innenhof : Nachbarn wehren sich gegen Bauprojekt der Gesobau

In Pankow will eine Anwohnerinitiative Wohnungsbau in Innenhöfen verhindern. Rückendeckung bekommt sie nun von der Linksfraktion.

Julia Weiss
30 Berliner Wohnsiedlungen sollen nachverdichtet werden.
30 Berliner Wohnsiedlungen sollen nachverdichtet werden.Foto: Thilo Rückeis

Berlin braucht dringend neue Wohnungen. Doch wenn dafür grüne Innenhöfe weichen müssen, passt das längst nicht allen Bürgern. Vor allem wenn die vom Berliner Senat angestrebte Nachverdichtung vor der eigenen Haustür stattfindet. Die Bürgerinitiative „Grüner Kiez Pankow“ protestierte am Mittwochabend in der Bezirksverordneten Versammlung (BVV) gegen ein Bauprojekt der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gesobau in Pankow.

In den Höfen einer Wohnanlage zwischen Ossietzkystraße, Am Schlosspark und Kavalierstraße sollen 170 Wohnungen entstehen. Doch die Anwohner fürchten um ihre Lebensqualität.

Mit ihren Sorgen traten sie am Mittwochabend vor die Bezirksverordneten. Im Saal hatten sich zahlreiche Anwohner mit Plakaten und Bannern versammelt. „Grün statt grau“, war darauf zu lesen. Eine Frau monierte, die neuen Nachbarn könnten ihr bald die Parkplätze wegnehmen. Auch die Schulen seien jetzt schon voll. Außerdem sei der Lebensraum von Eichhörnchen und anderen tierischen Nachbarn bedroht. Vor allem aber fühlen sich die Anwohner von der Gesobau übergangen. Ihre berechtigten Sorgen würden nicht ernst genommen.

Rückendeckung bekamen sie von der Linksfraktion. Diese beantragte am Mittwochabend in der BVV, dass die schon fortgeschrittene Planung des Bauvorhabens neu gestartet wird. Diesmal müsse die Gesobau die Anwohner miteinbeziehen. Das sei bisher nur ungenügend geschehen. Sie konnten zwar zwischen drei Varianten wählen. Die Bebauung sei aber in allen Fällen zu dicht und rücksichtslos gegenüber den bereits bestehenden Häusern.

Die Gesobau sieht das auf Nachfrage des Tagesspiegels anders. Im März habe eine Informationsveranstaltung stattgefunden, bei der die Anwohner Vor- und Nachteile der drei Varianten diskutierten, sagte Gesobau-Sprecherin Birte Jessen dem Tagesspiegel. Eine Einladung zu einem zweiten Treffen habe die Initiative „Grüner Kiez“ abgelehnt. Stattdessen hätte sie alle anderen Anwohner zum Boykott der Veranstaltung aufgefordert. „Wir können die persönliche Sicht der Anwohner nachvollziehen“, so Jessen. „Wir möchten hier aber auch an die Solidarität mit den vielen Wohnungssuchenden appellieren.“

Der Antrag auf Neuplanung wurde von der BVV einstimmig in den Ausschuss für Stadtentwicklung verwiesen. Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) stellte aber auch klar: „Wir brauchen dringend Wohnraum in Berlin. Deshalb müssen wir dort bauen, wo es schnell geht", sagte er. Dies sei vor allem auf Grundstücken des städtischen Wohnungsbaugesellschaften der Fall. „Das Viertel wird dadurch nicht zerstört. Diese Einschätzung einiger Anwohner teilen wir nicht.“

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